Schreibtischleuchte, Designobjekt, Leinwandstar – die Leuchte „L-1“ von Luxo hat glänzend Karriere gemacht.

Eigentlich waren es Nähmaschinen, die der junge Norweger Jac Jacobsen im Jahr 1936 aus England erwartete – er wollte damit ein Textilunternehmen aufbauen. In den Paketen von der Insel fand sich aber noch mehr: ein paar seltsam geformte Leuchten, die an die Maschinen montiert waren, um das Nähen zu erleichtern. Der Ingenieur war schwer beeindruckt von der technischen Finesse des metallenen Ungetüms. Und das war auch gut so, denn durch Eleganz bestach das kranähnliche Gestell mit den dicken Spiralfedern wahrlich nicht.

Präziser Lichtschein

Jacobsen erkannte jedoch sofort das Potenzial der innovativen Federzugtechnologie: Diese sogenannte Anglepoise sorgte dafür, dass der Leuchtenarm und damit der Lichtkegel nach entsprechender Ausrichtung in der gewünschten Position blieb – eine echte Erleichterung für alle, die bei der Arbeit genau hinschauen müssen.

Der findige Norweger witterte das ganz große Geschäft und sicherte sich umgehend die Lizenz für das vom Briten George Carwardine entwickelte Gelenkprinzip. Seine neue Firma nannte er Luxo, abgeleitet vom lateinischen „Ich gebe Licht“.

Die erste dort produzierte Leuchte hieß folgerichtig „L-1“. Das Design ließ zwar nach wie vor zu wünschen übrig und wurde mehrfach überarbeitet, doch schließlich war die Leuchte genau so, wie sie sein sollte: ein attraktives und praktisches Büro-Accessoire, das Millionen Menschen auf der ganzen Welt alltäglich zu punktgenauer Erleuchtung verhalf.

Vom Schreibtisch ins Kino

Nicht nur die Verkaufszahlen belegen den Erfolgsweg der einstigen Nähmaschinenleuchte zur beliebtesten Schreibtischleuchte überhaupt. Designliebhaber geraten angesichts der klassischen Formen der „L-1“ ins Schwärmen, und ein Fan namens John Lasseter machte sie 1986 sogar zum Star des ersten vollständig computeranimierten Kurzfilms der Pixar Animation Studios: „Luxo jr.“. Darin sind die „L-1“ und ihr ziemlich vorwitziger „Nachwuchs“ beim ausgelassenen Fußballspiel zu bewundern. Der Streifen beeindruckt durch seine realistischen Schattenspiele, die glaubwürdigen Bewegungen und die Geräuschkulisse. Und die „L-1“ bezaubert durch schlaksige Anmut und ein sympathisches Wesen. Der Ruhm ist ihr nicht zu Kopf gestiegen. Fleißig und bescheiden leistet sie weiter gute Dienste auf den Schreibtischen der Welt. Das ist schließlich ihr Job – seit mehr als 70 Jahren.