Der legendäre Bugholzstuhl „214“ von Thonet gilt als meistgebautes Sitzmöbel der Welt. In diesem Jahr feiert er seinen 150. Geburtstag.

Es gibt sie offenbar noch, die guten Dinge. Die nicht nur gut aussehen, sondern auch gut was aushalten. Angeblich fiel einst vor der Eröffnung des Restaurants im Pariser Eiffelturm ein Stuhl – genauer gesagt: ein „214“ von Thonet – 57 Meter in die Tiefe. Und überstand den Sturz völlig unbeschadet. Was an dieser Geschichte dran ist, sei dahingestellt. Fest steht aber, dass heute noch viele der Stühle aus dem 19. Jahrhundert im Gebrauch sind.

Die Anfänge

1836 erblickte ein erster Vorläufer des „214“ das Licht der Welt. Die Welt zeigte sich darüber allerdings weit weniger beeindruckt, als es sich der Möbeltischler Michael Thonet sicherlich erhofft hatte. Und so scheiterten auch all seine Versuche, sich das Verfahren patentieren zu lassen. Mit einem Neuanfang in Wien wurden seine schwungvollen Stühle aus Bugholz dann aber endlich der erträumte Hit. Schließlich waren sie technisch auch eine Besonderheit, weil Holz normalerweise bricht, wenn man es biegt. Mit Hilfe eines Zugbandes und unter Einwirkung von Wasserdampf konnte Thonet seinen Stühlen die gewünschten Rundungen ohne Splittern verpassen.

Der Klassiker

Vor genau 150 Jahren stellte er seine berühmteste Kreation als „Consumsessel Nr. 14“ vor.

Der Stuhl bestand aus nur sechs Bauteilen und ein paar Schrauben und war vollständig zerlegbar. So konnte er einfach verpackt und in alle Welt exportiert werden – was auch geschah: Schon bald schmückte Nr. 14 mit seinem eleganten Schwung Wohn- und Esszimmer auf allen Kontinenten. Und das keineswegs nur in großbürgerlichen Haushalten. Die sparsame Konstruktion machte das revolutionäre Möbelstück zur Sitzgelegenheit für alle Schichten – und den Meister aus Boppard am Rhein zum Pionier des Industriedesigns.

Tatsächlich war die schlichte, funktionale Form auch ein ästhetisches Statement im ansonsten eher opulent ausgestatteten 19. Jahrhundert. Mit dem später „Bugholzstuhl 214“ genannten Consumsessel zog eine neue Leichtigkeit in Wohnungen, Kaffeehäuser und Restaurants ein.

Als Exponat

Inzwischen ist das zeitlos schöne Stück längst reif fürs Museum: Im Museum of Art in New York, im Centre Pompidou in Paris, in der Münchner Pinakothek der Moderne wird er nicht besessen, aber bestaunt. Star-Architekt Le Corbusier adelte den „214“ sogar mit den Worten: „Noch nie ist Eleganteres und Besseres in der Konzeption, Exakteres in der Ausführung und Gebrauchstüchtigeres geschaffen worden.“