Energieeffiziente Aufstockung Einfach noch eins draufgesetzt

Durch die ökologische Aufstockung wurde aus einem 1961 erbauten Bungalow ein modernes lichtdurchflutetes Einfamilienhaus .
Durch die ökologische Aufstockung wurde aus einem 1961 erbauten Bungalow ein modernes lichtdurchflutetes Einfamilienhaus. Foto: © pickert architekten

Die Aufstockung eines Wohngebäudes ist eine beliebte Option, um mehr Wohnraum zu schaffen. Unser Beispiel zeigt, wie sich ein Anbau nach oben besonders energiesparend umsetzen lässt.

Wünschen Sie sich Platz für ein Arbeitszimmer? Oder einen größeren Abstellraum? Oder vielleicht ein zusätzliches Kinderzimmer? Wer mehr Wohnraum schaffen möchte, aber nicht außerhalb des bisherigen Grundrisses bauen darf oder möchte, kann sein Haus auch nach oben erweitern.

Welche Form der Aufstockung die richtige ist, hängt von vielen Faktoren ab: Unter anderem von den statischen Gegebenheiten des Gebäudes, aber auch vom finanziellen Spielraum und dem persönlichen Geschmack des Bauherrn. Bei der Entscheidung zwischen leichteren Holzrahmenkonstruktionen oder massiveren Baustoffen ist also nicht nur ästhetisches Urteilsvermögen, sondern vor allem auch technisches Wissen und Erfahrung gefragt.

Energieeffiziente Aufstockung – mit Know-how aus der Pfalz

Einige Architekten haben sich auf Aufstockungen mit ökologischem Anspruch spezialisiert. Dazu gehören Daniela und Thomas Pickert von Pickert Architekten. Ihr Ziel ist es, bei einer Aufstockung möglichst viel Baumasse zu erhalten und möglichst umweltfreundliche Materialien zu verwenden. Unter dieser Prämisse ließ das Architektenpaar von 2011 bis 2013 einen Bungalow aus dem Jahre 1961 in Landau an der Isar modernisieren. Energetisches Ziel war das Erreichen des „KfW 55 Effizienzhaus“-Standards der KfW Bankengruppe.

Die Ausgangslage

Bis zur Aufstockung war das Haus fast 50 Jahre lang von der Hausherrin unverändert genutzt worden. Bis auf kleinere Reparaturen hatte es keine nennenswerten Veränderungen gegeben. Als das Haus an die Enkelin weitergegeben wurde, hatte es weder Zentralheizung noch zentrale Wassererwärmung, die oberste Geschossdecke war praktisch ungedämmt, die Fenster waren nur einfach verglast und die Außenwand bestand aus 30 Zentimeter Bimssteinmauerwerk.

Als die Großmutter mit 85 Jahren in eine Anlage für betreutes Wohnen zog, musste eine grundsätzliche Entscheidung gefällt werden, was mit dem Gebäude geschehen sollte. Die Familie sah drei Optionen:

1) Die rudimentäre Sanierung samt Einbau einer Zentralheizung mit dem Ziel, das Haus anschließend zu vermieten.

2) Den Totalabriss mit anschließendem Neubau als Eigenheim.

3) Die Weiternutzung des Gebäudes inklusive Aufstockung, um neuen Wohnraum zur Eigennutzung zu schaffen, der den heutigen Ansprüchen gerecht wird.

Die Familie entschied sich für die dritte Option. Und so begann das Abenteuer Aufstockung: Zunächst entfernte man das Dach, beließ aber die Deckenbalken, sodass diese mit einer neuen Brettsperrholzplatte verschraubt werden konnten. So ergab sich eine neue freitragende Geschossdecke. Die neue Deckenscheibe eröffnete dann die Möglichkeit, ein weiteres Geschoss aufzumauern.

Alle Baustoffe wurden auf ihre Wiederverwertbarkeit hin überprüft und – wenn möglich – erneut verwendet. Bei der Wahl neuer Baustoffe wurde insbesondere auf die Nachhaltigkeit und die Recyclingfähigkeit geachtet.

Gut gedämmt

Als Dämmmaterial wurde 24 Zentimeter dicke Steinwolle verwendet und zwischen neuer und Bestandsaußenwand angebracht. Auch der untere thermische Gebäudeabschluss wurde zusätzlich gedämmt. Der Hohlraum des Douglasie-Dielenbodens wurde hierzu mit Zellulose ausgeflockt und unterseitig mit einer Polyurethan-Dämmung (PUR-Dämmung) bestückt.

Die Außenwände des Untergeschosses wurden mit einem mineralischen Wärmedämmverbundsystem versehen. Eine Schaumdämmplatte aus 100 Prozent Recyclingglas fungiert nun als Perimeterdämmung – also als Wärmedämmung erdberührender Bauteile.

Die neuen, wesentlich größeren dreifach verglasten Fenster sind von einer Konstruktion aus Lärchenholz umrahmt. Dies sorgt für ein helles und warmes Wohnambiente.

Die Haustechnik – umweltfreundlich und effizient

Auch bei der Haustechnik wurde auf die Umweltverträglichkeit geachtet: Zum Beheizen des Hauses kommen ein Stückholzofen mit Wassertasche sowie eine Solarkollektoren-Anlage zum Einsatz. Unterstützt wird das Wärmesystem durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Dies reduziert die Lüftungswärmeverluste und trägt durch den Mindestluftwechsel dazu bei, Schwitzwasser, sogenanntes Kondensat, zu vermeiden. Die Idee, ein komplettes Haus mit einem Feuerofen zu beheizen und mit Warmwasser zu versorgen, ist ungewöhnlich, verstärkt aber den angestrebten Ferienhaus-Charakter.

Die Materialwahl – funktionale Hingucker

Die gesamte Materialwahl ist durchdacht und folgt dem ökologischen Gesamtkonzept. Lärche und Douglasie sind die beiden vorherrschenden Holzarten – sowohl in heller, geseifter und glatter Form in den Innenräumen als auch in Schwarz und Sägerau für die Fassade und in geölter Form für die Übergänge und Fensterrahmen.

Der Bestandsinnenputz wurde größtenteils erhalten und mit Kalkputz ausgebessert. Kalk verhindert durch seinen niedrigen pH-Wert die Schimmelbildung. Die neuen Außenwände wurden wiederum mit Lehm geputzt. Lehm wirkt feuchteregulierend – was insbesondere in Schlafräumen und im Bad von Vorteil ist.

Die neuen Trennwände wurden als Holzständerwände auf dem fertigen Fußboden konzipiert, sodass diese nachträglich leicht ausgebaut werden können.

Das Ergebnis – Traumhaus in schönster Lage

Insgesamt erscheint das gesamte Gebäude nach Fertigstellung offener, heller und transparenter. Diverse Rückzugsorte bieten die Möglichkeit, in Ruhe zu entspannen. Der Übergang vom Haus zur Straße besteht aus einer gemütlichen Veranda – im Englischen „porch“ und im Bayerischen „Gred“ genannt. Zum Südhang hin bietet ein großzügiger Balkon eine wunderbare Aussicht ins Grüne der Umgebung. Die stolzen Umbaukosten von 300.000 Euro haben sich für die Bewohner auf jeden Fall bezahlt gemacht.