Haus & Wohnung lüften Mit Lüftungsanlagen Heizkosten senken

Eine dezentrale Lüftungsanl age unauffällig und platzsparend im Wohnzimmer montiert.
Dezentrale Lüftungsanlagen für einzelne Räume erreichen schon eine Heizkostensenkung von 20 Prozent. Foto: Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr

Wie hängen energetische Sanierungsmaßnahmen mit der Wohnungslüftung zusammen? Ganz einfach: je besser ein Haus gedämmt ist, desto wichtiger wird auch das regelmäßige Lüften. Moderne Lüftungsanlagen sichern eine ausreichende Frischluftzufuhr, ohne Energieverluste. Ein neues Label hilft bei der Suche nach einem passenden Gerät.

Der Raum ist stickig, die Luft schlecht – also schnell das Fenster aufmachen, um frische Luft hineinzulassen. Doch dann wird es schnell wieder zu kalt und das Ganze geht wieder von vorne los. Dieser Kreislauf führt zu erheblichen Energieverlusten, da die kostbare Wärme direkt wieder zum Fenster hinausgeführt wird. Keine Frage: eine luftdichte Gebäudehülle schont die Umwelt. Aber die Dämmung verhindert eine natürliche Lüftung über Ritzen und Fugen im Mauerwerk. Die Folgen sind Überfeuchtung, Schimmelbildung und eine hohe CO2-Konzentration – all dies führt zu einer schlechten Wohnqualität.

Heizkosten bis zu 40 Prozent senken

„Der gesamte Heizenergiebedarf bei einem Neubau ist bereits zur Hälfte durch die Lüftungswärmeverluste bestimmt. Diese Verluste können durch den Einsatz einer Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung erheblich reduziert werden“, erklärt Dr. Lothar Breidenbach, Technischer Leiter beim Bundesindustrieverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik. Je nach System und Gerätetyp lassen sich die Energie- und Heizkosten um bis zu 40 Prozent senken. Die Anlagen sichern zugleich eine auszureichende Frischluftzufuhr und sorgen damit für eine angenehme Wohnqualität. Deshalb ist bei Neubauten und den meisten Sanierungsfällen heutzutage ein Lüftungskonzept vorzulegen, was in den meisten Fällen zu der Empfehlung einer kontrollierten Wohnungslüftung führt.

Neues Label für Lüftungsanlagen schafft Orientierung

Das Anfang des Jahres neu eingeführte Energieeffizienzlabel für Lüftungsanlagen bietet Verbrauchern eine gute Orientierung und zeigt an, wie energiesparend eine Anlage arbeitet. Das Prinzip der Kennzeichnung ist altbekannt: ein Aufkleber mit regenbogenfarbigen Pfeilen und einem transparenten Klassifikationssystem von A+ bis G. Dies kennt man zum Beispiel von Kühlschränken und Fernsehern. Die niedrigste Stufe G verfügt in diesem Fall über die Energieeffizienz, die mit der klassischen Fensterlüftung vergleichbar ist. Die höchste Stufe A+ bedeutet eine Primärenergieeinsparung von mehr als 42 Kilowattstunden im Jahr und pro Quadratmeter. Primärenergieeinsparung bedeutet nicht, wie viel Energie durch das Ersetzen einer alten und neuen Anlage eingespart wird, sondern mit wie viel Primärenergie der eingesparte Strom erzeugt worden wäre.

Das Label zeigt darüber hinaus an, wie laut oder leise ein Gerät im Aufstellraum arbeitet und wie viel Kubikmeter Luft es pro Stunde maximal fördern kann. Die neue Regelung betrifft alle Lüftungsgeräte unter 1.000 Kubikmeter pro Stunde. Bei der Suche nach der ganz individuellen Lösung für das eigene Bauvorhaben ist die Abstimmung mit einem Fachmann durchaus sinnvoll und empfehlenswert.

Lüften ist wichtig und fördert die Gesundheit

Angaben des Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie zufolge atmet jeder Mensch täglich etwa 20.000 Liter Luft ein und aus und benötigt stündlich 30 Kubikmeter Frischluft um sich wohlzufühlen. Mit modernen Lüftungsanlagen steigt die Wohnqualität noch weiter, da auf die klassische Fensterlüftung verzichtet werden kann und somit auch auf die damit verbundenen Nachteile. Der Straßenlärm bleibt draußen und nur saubere Luft dringt hinein. Integrierte Filtersysteme halten Staub, Pollen und Co. aus der Außenwelt ab – dies ist besonders angenehm für Allergiker. Auch das Risiko vor Einbrechern, die sich durch gekippte oder offene Fenster unerlaubten Eingang verschaffen, reduziert sich. Die Luftverteiler oder Leitungen der Anlagen lassen sich unauffällig und platzsparend montieren. Und das Entscheidende: die aufwendig eingedämmte Wärme bleibt im Haus.

Lüftungen mit Wärmerückgewinnung sind besonders effizient

Es gibt zentrale und dezentrale Lüftungsanlagen. Zentrale Anlagen sind für ganze Wohnungen und Häuser geeignet. Sie sind besonders effizient und erreichen eine Wärmerückgewinnung von über 80 Prozent. Dezentrale Anlagen kommen eher bei räumlichen Nachrüstungen zum Einsatz und sind für einzelne Räume ausgerichtet. Dezentrale Lüfter erreichen immerhin eine Energiekosteneinsparung von 20 Prozent.

Lüftungen mit Wärmerückgewinnung verteilen über Ventilatoren warme Luft im Haus. Während der eine Ventilator frische Luft von außen ansaugt, bläst der andere die verbrauchte Luft heraus. Im sogenannten Wärmetauscher wird die Abluft auf die kühlere Frischluft übertragen und die beiden Luftströme berühren sich nicht – so funktioniert das Prinzip der Wärmerückgewinnung. Bei intelligenten Systemen umgeht die Frischluft den Wärmetauscher und kühlt warme Innenräume – zum Beispiel in heißen Sommernächten.

Zentrale Lüftungsanlagen

  • Für ganze Wohnungen und Häuser
  • Erreichen enorme Wärmerückgewinnungen von über 80 Prozent → sehr energieeffizient
  • Hoher baulicher Aufwand → Rohrleitungen müssen im gesamten Haus oder der kompletten Wohneinheit verlegt werden

Dezentrale Lüftungsanlagen

  • Für einzelne Räume (z. B. räumliche Nachrüstung)
  • Erreichen eine Energiekosteneinsparung von 20 Prozent
  • Relativ einfache Montage und geringer Installationsaufwand → Kernlochbohrung durch die Außenfassade oder Stromanschluss

Die KfW Bankengruppe fördert den Einbau von Lüftungsanlagen

Die KfW Bankengruppe fördert Ihre Finanzierung mit einem Tilgungszuschuss in Höhe von 12,5 Prozent. Die Bedingung an das Lüftungspaket: Die Kombination des Einbaus von Lüftungsanlagen mit mindestens einer weiteren förderfähigen Maßnahme an der Gebäudehülle. Die KfW Bankengruppe fördert zum Beispiel die folgenden Einzelmaßnahmen

  • Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen, Keller- und Geschossdecken
  • Erneuerung der Fenster und Außentüren
  • Erneuerung oder Optimierung der Heizungsanlage

Zentral oder dezentral – welche Lösung passt zu meinem Vorhaben?

Die Energieagentur NRW bietet ein „Lüftungs-Navi“. Per Fragenkatalog wird ermittelt, welche Beschaffenheit ein Raum aufweist und welche Lüftungsanlage zu den technischen Raumanforderungen passt.

Wie hoch sind die Kosten für Lüftungsanlagen?

Die Kosten für eine Lüftungsanlage hängen von vielen Faktoren und den individuellen Ansprüchen ab. Lüftungssysteme, die in einem bereits bestehenden Gebäude integriert werden, kosten zwischen 6.000 Euro und 10.000 Euro. Hinzu kommen Kosten für notwendige bauliche Maßnahmen, zum Beispiel für Elektriker- und Malerarbeiten.

Zum Vergleich: Beim Neubau eines Einfamilienhauses kostet eine reine Abluftanlage je nach Zimmeranzahl bis zu 2.500 Euro. Zu- und Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung kosten als zentrale oder dezentrale Lösung zwischen 4.000 Euro und 6.000 Euro. (Kostenangaben inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer sowie Material-, Montage- und Inbetriebnahmekosten. Quelle: Interview mit Herrn Paul Thoma, Geschäftsführer des Bundesverbandes für Wohnungslüftung).