Häuser mit Reetdächern sind typisch für das norddeutsche Landschaftsbild. Doch welche Vorzüge bieten Dächer aus dicht gepacktem Schilfrohr, und was gibt es bei diesem natürlichen Baumaterial zu beachten?

Reetgedeckte Häuser vermitteln Gemütlichkeit, Idylle und versprühen heute auch den Hauch von Luxus. Dabei wurde getrocknetes Schilfrohr vor gut 6.000 Jahren aus rein pragmatischen Gründen für die Dacheindeckung entdeckt. Es war die billigste und einfachste Art, ein Haus vor den Wettereinflüssen zu schützen. Noch bis vor einigen Jahrzehnten galt Reet häufig als Notlösung für arme Landwirte. Besonders in Norddeutschland, wo das natürliche Vorkommen des Schilfs sehr hoch ist, wurden die Dächer vieler Höfe damit ausgestattet. Aufgrund der großen Nachfrage stammen heutzutage allerdings 80 Prozent des Rohmaterials aus Osteuropa und China.

Ökologisch wertvoll

Das getrocknete Schilfrohr wird nicht nur wegen seines attraktiven Aussehens geschätzt, sondern ist bei Bauherren auch wegen seiner ökologischen Eigenschaften begehrt. Reet ist ein natürlicher Baustoff, der vom Aufwachsen des Schilfs bis zur Eindeckung auf dem Dach keinerlei chemische Behandlung erfährt. Deshalb kann das alte Material bei einer neuen Dacheindeckung auch einfach kompostiert – und damit wieder an die Natur zurückgegeben werden.

Besondere Ansprüche

Hat ein Bauherr sich für die Verwendung von Reet für die Dacheindeckung entschieden, sollte er für die Planung und Umsetzung einen Fachbetrieb zu Rate ziehen. Dieser kennt die technischen Anforderungen für die Nutzung des natürlichen Rohstoffs und hilft,

das Dach so zu konstruieren und auszuführen, dass eine optimale Lebensdauer erreicht wird. Grundsätzlich wird eine Dachneigung von 45 Grad benötigt, damit das Regenwasser optimal abfließen kann und nur die oberste Schicht des Reets durchfeuchtet. Denn Feuchtigkeit ist der größte Feind dieses Dachmaterials, sie fördert die Verrottungsvorgänge im Dach und reduziert teilweise deutlich die Lebensdauer der Dacheindeckung.

Damit der idyllische Charme des Reetdachs erhalten bleibt, sollte der Zustand des Daches daher regelmäßig kontrolliert werden. Sogenannte „Biofilme“, also Algenteppiche oder Moosbesatz, die sich auf dem Dach absetzen, müssen stets entfernt werden. Ansonsten wird durch diese Beschichtung das Trocknen des Reetdaches verhindert und die Substanz geschädigt. Etwa alle zehn Jahre sollte das Reetdach gereinigt werden, dann erfreut es die Besitzer 30 bis 50 Jahre als attraktiver Blickfang.

Nobles Baumaterial statt Notlösung

Während der Einsatz von Reet im Mittelalter noch die günstige Variante zur Dacheindeckung war, sind Dächer mit gepacktem Schilfrohr heute vergleichsweise teuer. Etwa 100 Euro pro Quadratmeter muss für die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffs investiert werden, was ungefähr dem Doppelten eines einfachen Ziegeldachs entspricht. Auch die Brandschutzversicherung fällt bei dieser Hausvariante zwei- bis viermal so hoch aus wie bei einem normalen Haus, da im Falle eines Brandes kaum noch etwas von dem schönen reetgedeckten Haus zu retten ist.