Ob neue Heizsysteme oder gespeicherter Sonnenstrom: Im Hausbau gibt es laufend Weiterentwicklungen. Doch wie kommen die zustande – und dann zum Kunden?

Auf den ersten Blick ist Harsefeld ein normales Städtchen bei Hamburg. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass viele der rund 15.000 Einwohner in sehr ähnlichen Häusern leben und sich ganze Hausreihen nur in Details wie Giebeln oder Photovoltaik-Anlagen unterscheiden.

Die Erklärung für diesen Gleichklang: Seit den 1950er Jahren wird in Harsefeld im Namen von Viebrock gebaut. Anfangs mauerte der Firmengründer dort noch eigenhändig Häuser. Später entwickelte man massive und doch erschwingliche Typenhäuser. Die Idee kam bestens an – und hatte (und hat) weiteres kreatives Potenzial.

Die Harsefelder waren gern dabei: als naheliegende Kunden wie als „Testobjekte“. Die neuen Gebäude wurden (und werden) immer auch ein bisschen dazu genutzt, Bauweisen zu perfektionieren und Innovationen zu erproben. Wenn man also wissen möchte, wie sich Hausbau und Haustechnik weiterentwickeln, ist man hier in Harsefeld genau richtig.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Bei einem Rundgang über das Firmengelände merkt man schnell, dass Haushersteller mehr machen müssen, als Baustoffe und andere Komponenten „von der Stange“ zu bestellen und daraus Häuser zu fertigen – auch Forschungs- und Entwicklungsarbeit gehört zum Gewerbe.

Da Häuser hochkomplexe Gebilde sind und als Ganzes funktionieren sollen, ist es notwendig, die einzelnen Komponenten zu testen und aufeinander abzustimmen. Sobald ein Produkt den Anforderungen nicht entspricht oder nicht wunschgemäß geliefert werden kann, muss die eigene Ingenieurabteilung ran.

Bei Viebrock gibt es dafür unter anderem ein extra errichtetes „Übungshaus“. Das ist von außen nicht von einem normalen Einfamilienhaus zu unterscheiden, sieht aber innen wie ein Labor aus. Hier wird unter Alltagsbedingungen an der Weiterentwicklung einer Wärmepumpe gearbeitet.

Der Clou: Mit Hilfe einer Kältekammer innerhalb des Hauses, in der das Außenluftmodul der Pumpe steht, kann jedes Wetter simuliert werden. Auch im Hochsommer wird bei Bedarf bei minus 15 Grad daran gearbeitet, wie der ohnehin schon kalten Luft weitere Wärme entzogen werden kann.

Auch ein Pellet-Ofen, schnelltrocknender Estrich und ein neues Trockenputzsystem werden im Übungshaus auf Herz und Nieren getestet: „Immer mit dem Ziel, die Produkte optimal für unsere Häuser einzusetzen“, sagt Kay Gafert, Leiter Haustechnik bei Viebrockhaus.

Auch an Hausbatterien wird in Harsefeld getüftelt. Sie könnten als perfekte Ergänzung zu Photovoltaik-Anlagen den auf dem Dach erzeugten Strom speichern und an bewölkten Tagen oder in der Nacht abgeben, so dass im Idealfall kein Netzstrom hinzugekauft werden muss –oder „überflüssiger“ hausgemachter Strom gesammelt und gegen Vergütung ins öffentliche Netz gespeist werden kann.

Ein derart komplexes System muss natürlich sehr sorgfältig getestet werden. Unter anderem geschieht das im Haus der Familie Pawluczuk. Der Hausherr überwacht an seinem  Flachbildschirm im Wohnzimmer die Stromproduktion, den Zustand der Batterie und die Einspeisung und gibt dem Hersteller Hinweise für Verbesserungen, damit Endkunden später ein ausgereiftes Produkt bekommen.

Und was kommt als Nächstes? Der Vorstandsvorsitzende Andreas Viebrock hegt da eine ambitionierte Vision: Er würde seine Massivhäuer gern vorfertigen und dann komplett zum Kunden liefern können: „Per Lkw geht das leider nicht, das haben wir probiert. Man bräuchte einen entsprechenden Lastenhubschrauber oder einen Zeppelin. Wäre ein toller Anblick, oder?!“ Ganz bestimmt. Doch bis diese Idee in die Tat umgesetzt werden kann, dauert es wohl noch ein bisschen.