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Wohnzimmer mit fugenlosem Fußboden
Foto: living4media/ Brent Darby

Seit einiger Zeit halten Böden Einzug in private Wohnräume, die dem Innenleben eines Eigenheims oder einer Eigentumswohnung einen völlig neuen Look verleihen: Fugenlose Fußböden avancieren zum Einrichtungstrend.

1. Ein Zuhause ohne Fugen, dafür mit viel Charakter

Fugenloser Boden? Die Bezeichnung lässt bereits erahnen, was diesen Bodenbelag ausmacht. Er bildet eine glatte, durchgehende Fläche. Auf solchen Böden gehen Menschen schon seit Tausenden von Jahren: Terrazzo, eine Mischung aus einem Bindemittel, Wasser und Gesteinskörnungen, war im Mittelmeerraum weitverbreitet und kommt auch heutzutage noch zum Einsatz. Die Idee des fugenlosen Fußbodens ist also schon ziemlich alt, aber natürlich gibt es inzwischen moderne Varianten, die wahrscheinlich jedem von uns im Laufe des Lebens an unterschiedlichen Orten begegnen. Man findet sie in Verkaufsräumen von Shoppingcentern, auf den Fluren von Krankenhäusern, in Großraumbüros oder Produktionshallen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Doch warum werden diese Böden so gerne in öffentlichen Gebäuden oder Industriebauten verlegt? Es sind vor allem Eigenschaften wie Strapazierfähigkeit und Pflegeleichtigkeit, durch die sie in solchen Einsatzbereichen überzeugen. Und das sind zwei Aspekte, die sie auch für die Verwendung im privaten Wohnbereich attraktiv machen. Waren fugenlose Böden bisher in Keller oder Garage zu finden, halten sie seit einigen Jahren Einzug in die Wohnräume. Wer jetzt denkt, dass es sich dabei um triste, graue Fußböden handeln muss, wird überrascht sein: Diese Oberflächen präsentieren sich als sehr vielseitige und anpassungsfähige Gestaltungselemente und bieten durchaus einen Vorteil.

2. Vom praktischen Bodenbelag zum Begleiter mit Charakter

Dass ein fugenloser Boden als Einrichtungstrend etabliert hat, liegt nicht allein an seinen praktischen Eigenschaften. Es sind die stilbildenden Vorzüge, die sie für die Wohnraumgestaltung so interessant machen. So geben die gleichmäßigen Oberflächen Räumen einen modernen Look und beruhigen die Atmosphäre. Zudem zeigen sie unterschiedlichen Charakter: Fugenloser Fußbodenbelag kann zurückhaltend wirken und dem Interieur den Vortritt lassen. Im Kontrast dazu können sie auch in kräftigen Farben gestaltet werden und so zur dominierenden Komponente für die Ästhetik eines Raums werden.

Und ein weiterer Vorteil: sie lassen kleinere Böden optisch größer wirken – ein Effekt, der bei offenen Raumkonzepten noch stärker ausfällt. Womit wir bei einem weiteren Grund für die wachsende Beliebtheit dieses Bodenbelags sind: Wände wegzulassen und die Funktionen von Wohnzimmer, Esszimmer und Küche in einem großzügigen Raum zu vereinen, ist ebenfalls ein Trend.

Fugenloser Boden
Foto: living4media/ Brent Darby

3. Welches Material soll zum Einsatz kommen?

Spachtelbeton, Sichtestrich, Sichtbeton, Béton Ciré, Polyurethan, Epoxidharz und so weiter: Es gibt zahlreiche Materialien, Zusammensetzungen und Bezeichnungen für fugenlose Fußböden. Welche Art fugenloser Bodenbelag in den eigenen vier Wänden zum Einsatz kommt, hängt davon ab, welche Farbe, welches Muster oder welche Oberfläche der Boden am Ende haben soll. Eine sichtbare Gesteinskörnung durch einen geschliffenen Betonboden, eine einfarbige und glänzende Oberfläche dank Kunstharz oder ein Steinteppich aus Marmor-Kieselsteinen? Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Um das passende Aussehen des Bodens festzulegen, kann es helfen, zunächst die Atmosphäre des Raums zu visualisieren. Beispielsweise kann man mit einer Bildcollage, welche die Farben, Formen, Muster und Einrichtungsgegenstände des zukünftigen Raums zeigt, verschiedene Stile für den Fußboden durchspielen. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Wie umweltfreundlich soll der Fußboden sein? Eine Frage, die auch ein gesundes Raumklima ins Spiel bringt.

4. Schöne Schicht: So wird der Bodenbelag aufgebracht

Bei fugenlosen Böden erfolgt der Materialauftrag direkt auf den Untergrund. Der Vorteil hierbei ist, dass Unebenheiten dabei problemlos ausgeglichen werden, denn der Boden wird entweder gespachtelt oder gegossen. Beim Spachteln erfolgt der Aufbau des Bodens in mehreren dünnen Schichten. Der Gießboden wird in einer Schicht aufgebracht, mit einer Igelwalze werden Luftbläschen entfernt und in weiteren Arbeitsschritten wird der Boden abgespachtelt und versiegelt.

Zudem können ab einer gewissen Fläche dann doch Fugen ins Spiel kommen: Sind im Unterboden bereits Dehnungsfugen vorhanden, müssen diese auch in den Bodenbelag übernommen werden. Hier ist das Geschick des Handwerkers gefragt, die Fugen so zu gestalten, dass sie die Optik so wenig wie möglich stören.

5. Selbst Hand anlegen oder die Profis ans Werk gehen lassen?

Wenn Sie den Bodenbelag selber anlegen, sparen Sie zwar Geld, dies hat aber auch einen großen Nachteil. Den Fußboden fachgerecht vorzubereiten, das Material richtig zu verarbeiten und extrem genau bei der Ausführung zu sein – all das erfordert viel Erfahrung und ist eher eine Aufgabe für einen Fachbetrieb. Auch der Umgang mit Spezialwerkzeugen will geübt sein.

Profis können auch beurteilen, ob sich der fugenlose Boden auf einen bereits vorhandenen Fußbodenbelag, wie beispielsweise Fliesen oder Laminat, aufbringen lässt. Zudem helfen sie dabei, eine Fußbodenheizung für den fugenlosen Boden zu planen und umzusetzen, denn auch das ist prinzipiell möglich. Bei tendenziell kühleren Materialien wie Beton sorgt das für eine angenehme Fußwärme. Daher empfiehlt sich der Fachexperte, da der Vorteil, den sie daraus gewinnen, die Nachteile oft weit übersteigt.

6. Putzen, reparieren, erneuern: fugenloser Fußboden im Alltag

Trampeln, schliddern, toben, hüpfen: Ein fugenloser Boden nimmt die Belastungen des Alltags meist unbeschadet hin. Je nach Nutzung bereitet er ohne Weiteres 20 bis 25 Jahre lang Freude. Die Pflege ist denkbar einfach: Das Putzen des Bodens erfolgt mit einem Mikrofasertuch und Wasser. Ein Neutralreiniger kann verwendet werden, scharfe Reinigungsmittel oder kratzende Putzutensilien nicht. Aggressive Substanzen wie Kaffee oder Rotwein können nach längerem Einwirken zu Verfärbungen führen. Deshalb sollten sie ebenso zeitnah entfernt werden wie Wasserpfützen, denn das verhindert schädigende Staunässe. Kleinere Schäden, zum Beispiel durch herabfallende Gegenstände, können oft repariert werden. Und wenn man sich doch eines Tages einen anderen Look für den Boden wünscht, kann man einfach eine neue Schicht auftragen.

 

Foto: living4media/ Brent Darby