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... denn es ist eine äußerst langfristige Investition. Ein Gespräch mit Frank Lange vom Verband Fenster + Fassade über Qualität, seriöse Fachbetriebe und Klimaschutz.

Herr Lange, nach wie vielen Jahren wird es denn Zeit für neue Fenster? 

In Jahren lässt sich das nicht wirklich ausdrücken. Denn es hat ja auch damit zu tun, wie die Fenster gepflegt und gewartet wurden. Stattdessen sollten besser drei Kriterien berücksichtigt werden: Klemmt das Fenster beim Öffnen oder Schließen? Haben sich meine Ansprüche ans Fenster geändert, soll es zum Beispiel den Straßenlärm effektiver dämpfen oder für Einbrecher schwer zu knacken sein? Und auch sehr wichtig: Gefällt mir das Erscheinungsbild noch? Die Anschaffung neuer Fenster muss auf alle Fälle wohlüberlegt sein, statistisch betrachtet werden sie nämlich 40 bis 50 Jahre lang genutzt. Da versteht es sich, dass auf Qualität gesetzt werden sollte.

Welche modischen Trends gibt es gerade in Ihrer Branche?

Sehr beliebt sind große, panoramaähnliche Fenster, die mehr Tageslicht in die Gebäude hineinlassen. Auch Schiebekonstruktionen bei bodentiefen Fenstern, die beispielsweise zum Garten oder auf einen Balkon hinausführen, werden stark nachgefragt. Ein weiterer Trend sind Rahmen aus kombiniertem Material. Hier werden zum Beispiel innen Holz für ein schönes Ambiente und außen Aluminium aufgrund der besseren Wetterbeständigkeit verbaut.

Frank Lange ist Geschäftsführer vom Verband Fenster + Fassade in Frankfurt am Main. Er vertritt die Interessen der Hersteller von Fenstern, Türen und Fassaden. (Foto: Andre Druschel)

Muss ich mich bei neuen Fenstern für einen Schwerpunkt entscheiden oder gibt es auch ein Rundumsorglos-Paket mit Schall-, Hitzeund Einbruchschutz in einem?

Alles ist möglich. Es gibt Fenster, die hervorragende Qualität in all den genannten Bereichen haben. Natürlich ist es am Ende eine Frage des Geldes: Was ist mir wichtig? Was will ich mir leisten? Dann sind eventuell Fenster, die zum Beispiel energetisch sehr gut sind, aber keinen allzu guten Diebstahlschutz bieten, die richtige Wahl. 

Unterscheiden sich je nach Raum die Ansprüche an ein Fenster? 

Ja, das ist je nach Funktion und Himmelsrichtung durchaus der Fall. Ich nenne Ihnen einige Beispiele: Bei Fenstern, die an Straßen liegen, ist der Schallschutz in der Regel wichtiger als bei solchen, die zum Garten zeigen. Fenster im Norden benötigen keinen Sonnenschutz, anders als Fenster mit südlicher Lage. Fenster, die Einbrecher zur Verzweiflung treiben, sind zwar wichtig im Erdgeschoss, doch im zweiten oder dritten Stock nicht mehr, da dort niemand hingelangt.

Einbruchhemmende Fenster sind in unterschiedliche Widerstandsklassen eingeteilt. Welche Klasse sollte man wählen – ist die höchste automatisch die sicherste?

Dazu muss man wissen, dass die meisten Einbrecher Fenster aufhebeln oder zerschlagen. Falls sie das nach ein bis zwei Minuten nicht geschafft haben, lassen sie in der Regel davon ab. Das heißt, die Fenster müssen von ihrer materiellen Beschaffenheit her einfach lang genug durchhalten. Als Gradmesser dienen hier die Widerstandsklassen RC1 bis RC6. Ein halbwegs geübter Einbrecher benötigt etwa zehn Sekunden, um RC1-Fenster zu überwinden. Sie bieten also praktisch keine Sicherheit. Ein Fenster der RC2-Klasse hingegen leistet bereits drei Minuten Widerstand, was ja in vielen Fällen ausreicht. Die höheren Sicherheitsklassen RC3 bis RC6 sind eigentlich nur bei Gewerbeimmobilien sinnvoll.

Und was muss ich bei Schallschutzfenstern beachten? 

Guter Schallschutz hängt von vielen Faktoren ab. Nicht nur das Fenster an sich ist wichtig, sondern auch die korrekte Montage. Ein Loch an der falschen Stelle oder irgendwo ein Spalt, und schon dringt Lärm nach innen und macht alles zunichte. Der Monteur muss sein Handwerk also verstehen! Schall lässt sich vor allem mit Masse und Asymmetrie verhindern. So haben Schallschutzfenster besonders schwere Rahmenprofile sowie asymmetrische Fensterscheiben. Die einzelnen Glasscheiben sind verschieden dick und brechen somit den Schall auch unterschiedlich.

Die jüngsten Sommer waren von den Temperaturen her extrem. Experten rechnen damit, dass das so bleibt. Was sollte man also beim Hitzeschutz beachten? 

Die Sonne muss von den Innenräumen möglichst gut abgeschirmt werden. Zwar gibt es auch Sonnenschutzglas, das teilweise die wärmenden Sonnenstrahlen abschwächt, aber die wirksamsten Maßnahmen liegen außerhalb des Fensters. Ich meine hier Schattenspender wie Rollläden oder Markisen. Sie blocken die Strahlen bereits vor dem Fenster ab, was ganz wichtig ist. Vorrichtungen im Innenraum sind weniger geeignet, um hohen Raumtemperaturen vorzubeugen. Auch Automation und Smarthome-Technologie hilft. So können sich Fenster nachts automatisch öffnen, um kühle Luft hineinzulassen, oder Rollläden selbstständig schließen, sobald die Sonne sich zeigt.

Welche smarten Anwendungen gibt es außerdem? 

Dass sich Fenster über kleine integrierte Motoren selbst öffnen und schließen, wird in den verschiedensten Zusammenhängen genutzt. Sensoren erkennen zum Beispiel, dass die Luftfeuchtigkeit innen zu hoch ist oder dass es anfängt zu regnen, und geben dem Fenster den Befehl, sich zu öffnen oder zu schließen. Für manche Senioren sind solche Automatiklösungen auch als Helfer im Alltag interessant, wenn sie zum Beispiel körperlich nicht mehr in der Lage sind, schwere Fenster zu bedienen. Auch im Bereich Sicherheit sind verschiedene smarte Anwendungen verfügbar. Unter anderem registrieren manche Fenster, dass sich jemand daran zu schaffen macht. Diese Info leiten sie an eine Alarmanlage oder ein Smartphone weiter. 

Können moderne Fenster zum Klimaschutz beitragen?

In Deutschland gibt es derzeit 265 Millionen Fenster auf dem technischen Stand von vor dem Jahr 1995. Würde man sie austauschen oder durch Sanierung annähernd auf den Stand von zeitgemäßen Fenstern bringen, könnten jährlich 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Dann müsste man im Winter weniger heizen und im Sommer seltener die Klimaanlage anschalten. 

Und wie finde ich zu guter Letzt einen seriösen Betrieb, der meine Wünsche umsetzt? 

Hier können Gütesiegel ein praktischer Indikator sein. Hilfreich ist das RAL-Gütezeichen für Fenster, Fassaden und Haustüren. Das Besondere daran: Anders als bei anderen Qualitätssiegeln und -zeichen wird bei der Zertifizierung nicht nur das Produkt, sondern auch die Montage berücksichtigt. Aber natürlich können auch Betriebe ohne Gütezeichen hervorragende Arbeit leisten. Um das herauszufinden, können Sie auf deren Internetseite schauen – zum Beispiel, welche Referenzen sie angeben.

 

Foto Header: Bernhard Huber