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Mobiles Tiny House „Fincube“: Fassaden-Sonnenschutz temperiert auf natürliche Weise. Foto: Steffen Jänicke

Architekt Wolfgang Frey ist überzeugt: Stadtmenschen werden die Natur im urbanen Raum neu für sich entdecken – ebenso wie einfache Lösungen.

Herr Frey, was würden Sie in ­Zukunft gerne ändern?

Die Rohstoffverschwendung. Erdöl ist eine wertvolle, begrenzte ­Ressource –
trotzdem wird sie weiterhin zum Heizen verwendet, einfach verbrannt. Das finde ich steinzeitlich, wir könnten längst darauf verzichten. Es ist heute kein Problem mehr, ein Haus zu bauen, das mehr Energie erzeugt als verbraucht: Ein Passivhaus ist stark wärmegedämmt und nutzt natürliche Ressourcen wie Sonnenenergie. Dennoch machen die Menschen weiter wie bisher, meist aus Gewohnheit.

Aber ist das nicht auch eine ­Kostenfrage?

Auf den ersten Blick schon. Ein Passivhaus kostet in der Anschaffung etwa zehn bis fünfzehn Prozent mehr als ein konventionelles Gebäude mit Heizkessel. Daher bietet unser Büro ein Contracting-Modell an. Dabei nehmen wir für die Passivhaustechnologie einen Kredit auf. Die Mieter zahlen ganz normal für Heizkosten – nur dass wir davon nicht Heizöl beschaffen, sondern das Darlehen abbezahlen. Der Bauherr muss also nicht zusätzlich investieren. Nach zwölf Jahren sind die Schulden getilgt, und das Modell wirft Gewinn ab.

Ökologie und Ökonomie müssen also zusammen gedacht werden?

Ja, gemeinsam mit sozialen Aspekten. Vor allem in urbanen Räumen, da immer mehr Menschen dorthin ziehen und die Gesellschaft altert. In der Stadt der Zukunft sollte es keine sozialen Monokulturen geben. Wo sich Familien, Junge und Alte gegenseitig unterstützen, entsteht Sinnhaftigkeit. Städte müssen ihren Bewohnern etwas bieten, auch in Hinblick auf Ökologie. Nachhaltigkeit beginnt mit der Identifikation.

Und wie werden wir bauen?

In 20 Jahren wird der Klimawandel so weit fortgeschritten sein, dass es in Berlin so warm sein wird wie heute in Madrid. Dann geht es nicht nur darum zu heizen, sondern auch zu kühlen. Die Temperatur der Häuser wird dann von außen reguliert werden müssen, zum Beispiel durch begrünte Dächer, umlaufende Balkone und doppelte Fassadenebenen. In einem Stadthaus wird es sich anfühlen, als würden Sie in einer Laube sitzen oder in einem sehr gepflegten Dschungel. Dieses Konzept kommt ohne technische Gimmicks aus. Für die Zukunft gilt: Keep things simple.

5 Tipps: Wie plane ich ein Öko-Bauprojekt?

Tipp 1

Förderprogramme prüfen. Nachhaltigkeit wird oft belohnt. Die Möglichkeiten der Unterstützung sind vielfältig. Einen Überblick und mehr Infos erhalten Sie unter: ressource-­deutschland.de

Tipp 2

Position und Größe des Gebäudes beachten. Ausrichtung und Oberfläche haben Einfluss auf den Lichteinfall und die klimatischen Bedingungen –
und damit auf die Heiz- und Stromkosten.

Tipp 3

Ökologische Baustoffe bevorzugen – also Materialien, die nachwachsen und regional erzeugt werden. Hohe Transportkosten sollten Sie möglichst vermeiden.

Tipp 4

Wärmedämmung ist wichtig, um keine Heizenergie zu verschwenden. Nutzen Sie nachhaltige Dämmstoffe wie Holz und Seegras. Sorgen Sie außerdem für eine Mehrfachverglasung bei Fenstern und Türen.

Tipp 5

Die Strom- und Heiz­versorgung ist ebenfalls ein Nachhaltigkeitsfaktor. Nutzen Sie am besten regenerative Energiequellen für die Stromerzeugung, zum Beispiel Solar- oder kleine Windkraftanlagen.