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Für die Ewigkeit gebaut: Der Turiner Palazzo Madama ist heute ein Kunstmuseum. Der majestätische Treppenaufgang prägt den Raum. Foto: Shutterstock

My home is my castle: Natürlich sollen sie sicher und funktional sein. Doch Treppen können sich nicht nur in den bestehenden Wohnstil einfügen. Sondern ihn auch selbst prägen.

Zugegeben: Solch ein pompöses Treppenhaus wie im Turiner Palazzo Madama (Foto oben) dürfte nur in den wenigsten Eigenheimen Platz finden. Doch ist er ein Beispiel für einen Wohnstil, der perfekt mit der dazugehörigen Treppe harmoniert. Immer mehr Architekten und Designer entdeckten in den letzten Jahren die Treppe als Gestaltungselement neu und dabei eine Vielfalt an Farben und Formen. 

Als Material haben sich heutzutage neben Holz auch Stein, Metall, Glas oder Beton etabliert. Bei der Bauweise kann man wiederum zwischen einer dynamischen Spindeltreppe, einer klassischen Wangentreppe oder einer minimalistischen Kragarmtreppe wählen, die die Stufen scheinbar frei schweben lässt.

Im folgenden stellen wir drei Beispiele für Treppenformen vor und sagen Ihnen, was Sie beim Treppenbau beachten sollten.

Minimalistisch: Schwebende Stufen für maximale Leichtigkeit

Eine Glastrennwand ist auch genug: Mehr Schnickschnack braucht der Minimalist für die Einrichtung nicht. Der Minimalismus ist die Verkörperung eines modernen Zeitgeistes, in dem Zurückhaltung und Ressourcenschonung von elementarer Bedeutung sind. Hier ist alles im Haus aufgeräumt, auch das Treppenhaus.

Foto: iStock

Wer es in seinem Zuhause wenig aufdringlich und trotzdem elegant mag, der sollte beim Bau einer Treppe auf die Kragarmvariante setzen. Da bei diesem Treppentyp die tragenden Balken in den Stufen und der Wand verbaut sind, wirkt es so, als würden die Stufen freischweben. Da ist weniger tatsächlich mehr. Doch keine Sorge: Bei der Stabilität hört die Sparsamkeit auf.

Kragarmtreppe: Bei dieser sind stützende Balken innerhalb von Wand und Treppenstufen verbaut. Der Name stammt vom Architekturbegriff „auskragen“, also „hervorragen“. Illustration: C3 Visual Lab

Wichtig bei der Wahl einer Kragarmtreppe ist eine stabile Wand zur Verbauung, idealerweise eine Betonwand. Auch wenn die Kragarmtreppe als moderne Treppe sehr dezent daherkommt, kann sie mit einer gewissen Vielfalt aufwarten. Nicht nur Holz, auch Beton, Stein, Glas oder Metall kommen infrage und passen zum minimalistischen Lifestyle. Während Edelhölzer für Eleganz stehen, ist Glas ganz besonders dezent. Minimalismus, das ist Stil für Leute, die ganz genau hinschauen.

Shabby Chic: Zeitlos schön

Sonntagmorgen schlägt die Stunde des Schnäppchenjägers. Dann ist Trödelmarktzeit. Wenn alle anderen noch schlafen, fährt er oder sie schon früh los, um auf Schatzsuche zu gehen. Und nie, ohne auch fündig zu werden: Mal ist es ein alter Massivholzschrank, mal eine kleine Kommode oder ein historisches Bild. Die Kombination aus Antiquitäten, die natürliche oder künstliche Gebrauchsspuren aufweisen, und schicken Einzelstücken nennt sich Shabby Chic. Möbel, denen man ihre Geschichte ansehen kann, die aber dennoch einiges hermachen und einzigartig sind, passen hier besonders gut rein.

Foto: living4media

Dazu zählt auch diese schicke Metalltreppe. Als Spindeltreppe verleiht sie dem Treppenhaus und dem Raum eine besondere Dynamik, der kurvige Verlauf gibt die Möglichkeit für einen guten Auftritt. Durch den Treppenlauf und den Handlauf im klassischen Gusseisen sowie die eingearbeiteten Muster in den Stufen fügt sie sich ideal in das zeitlose Ambiente ein. Die Spindeltreppe ist häufig verbindendes Element zweier Etagen innerhalb eines Raums, wie zum Beispiel in einem Loft. Sie ist eine der platzsparendsten Bauformen. Das bedeutet: Viel Raum für neue Fundstücke vom Flohmarkt.

Die Unabhängige: Die Spindeltreppe ist spiralförmig, platzsparend und benötigt keine Wand zum Aufstellen. Sie kann deshalb auch sehr kurzfristig aufgestellt werden. Illustration: C3 Visual Lab

Alpin: Wie in der Berghütte

Holz, so weit das Auge reicht: Der alpine Wohnstil vertraut ganz auf die wärmende Aura von Eiche, Buche oder Edelkastanie. Hier fühlt sich der Bewohner, als wären der Großglockner oder die Chiemgauer Alpen direkt nebenan. Ein Wohnstil also auch für Städter, die sich wie in der Natur fühlen wollen. Ergänzt wird das hölzerne lnterieur durch florales Dekor. Und natürlich durch die richtige Treppe.

Foto: living4media

Die Wangentreppe aus Holz ist der Klassiker unter den Treppen, fügt sich nahtlos in das Gesamtbild ein und passt zu verschiedenen Wohnstilen wie Landhaus, Skandinavisch oder Rustikal. Im Vergleich zu anderen Treppenarten ist sie besonders funktional und bringt ein Maximum an Sicherheit und Komfort mit. Hier werden sowohl die Stufen als auch das Geländer in den Wangen verbaut. Beim Treppengang gilt wie beim Bergaufstieg: Sicherheit geht immer mit.

Der Klassiker: Die Wangentreppe wird von den Bauteilen an den Seiten getragen. Diese werden Wangen genannt. Illustration: C3 Visual Lab

Vielfalt schafft Raum für Ideen: Andere Treppenformen

Faltwerktreppe
Edler Look, wie aus einem Guss: Bei der Faltwerktreppe gehen die Stufen nahtlos ineinander über. Neben Riffelblech zählen Holz und Beton zu den Materialien.

Bolzentreppe
Die Bolzentreppe besteht aus Trittstufen, Treppenbolzen und Wandankern. Sie benötigt zum Aufbau keine aufwendige Stahlkonstruktion und ist deshalb besonders filigran.

Mittelholmtreppe
Hier sitzen die Trittstufen auf einem mittigen Träger auf, mit dem sie durch Holme verbunden sind. Die Mittelholmtreppe ist eine sehr lichtdurchlässige Konstruktion.

Illustration: C3 Visual Lab

Vier Tipps: So gestalten Sie Ihre individuelle Treppe

1.000 verschiedene Treppen für 1.000 verschiedene Räume: Wer eine Treppe bauen oder modernisieren will, hat einiges zu beachten. 

Platz
Bei dem Treppenbau oder der Modernisierung sollte man sich im Vorfeld überlegen, wie viel Platz im Haus man für sie einplanen möchte. Spindel-, Wendel- und Raumspartreppen sind da besonders effizient. Allerdings: Je platzsparender die Treppe, desto schwieriger ist es, Dinge zu transportieren.

Deko 
Mehr Platz bedeutet auch: mehr Raum für Gestaltung. Die Treppe ist kein toter Raum, was Dekoration angeht. Mit Wandbildern, Pflanzen oder Mustertapete lässt sich die eigene individuelle Treppe zum kleinen Preis weitergestalten.

Preis 
Grundsätzlich gilt: Jede Treppe ist anders. Deswegen variiert natürlich auch der Preis. Eine klassische Wangentreppe kann man schon für etwa 2.500 Euro installieren. Eine Kragarmtreppe kostet hingegen auch schon mal 9.000 Euro. Pflege Die richtige Pflege ist vom Material abhängig. Holz sollte im Idealfall eine jährliche Versiegelung erhalten. Bei Naturstein gibt es je nach Steinart spezielle Reinigungsmittel. Grundsätzlich sollte man bei hochwertigen Treppen Reinigungsmittel mit hohem Säuregehalt vermeiden.

Sicherheit 
Beim Thema Sicherheit ist man als Treppenbauer weniger flexibel. Hier sollte man einen Blick auf die DIN 18065 werfen. Diese enthält alle notwendigen Kriterien, um eine Treppe möglichst sicher zu machen. Sie verzeichnet unter anderem die richtige Geländerhöhe (ab 70 Zentimeter) sowie Stufenhöhe (14 bis 19 Zentimeter) und Auftrittsbreite (26 bis 37 Zentimeter).