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Parkett ist heute längst nicht mehr die einzige Möglichkeit, beim Bodenbelag den Wunsch nach einer Holzanmutung zu erfüllen. Mit Laminat, Vinyl oder Fliesen kommen neue Alternativen ins Spiel. 

Laminat als Bodenbelag

Können Experten heute rein optisch zwischen Parkett und modernem Laminat unterscheiden? Die Hersteller sagen selbstbewusst, dass dies kaum noch möglich ist. Tatsächlich hat sich das Laminat vom günstigen Holzersatz zu einer Alternative mit authentischer Holzanmutung entwickelt. Bestimmte Laminatböden besitzen heute sogar eine holzähnliche Oberflächenstruktur, sodass sie auch haptisch dem Parkett nahekommen.

Sehr große Vielfalt bei Laminat

Das Geheimnis des Laminats ist die Oberfläche: Das schützende Overlay besteht aus Papier, das nach einer Behandlung mit Melaminharz transparent wird und schützend wirkt. Darunter liegt die Dekorschicht. Wieder handelt es sich um ein behandeltes Papier, das beliebig bedruckt werden kann. Gepresst werden diese Schichten auf eine Holzwerkstoffplatte, die als Träger dient. Der Clou: Durch das Klicksystem mit Nut und Feder lassen sich die einzelnen Paneele kinderleicht und schwimmend verbinden, ohne dass störende Laminat Lücken entstehen. Außerdem isoliert Laminat kaum und lässt sich daher auf Fußbodenheizungen verlegen, sorgt jedoch ohne eine solche im Winter für eine gewisse Fußkälte. 

 

Aufbau: 1) Overlay als schützende transparente Schicht, 2) Dekorschicht, die dem Boden die Optik gibt, 3) Trägerschicht als Holzwerkstoffplatte mit Klicksystem, 4) Gegenzug, der verhindert, dass sich das Laminat bei Belastung verformt, Illustration: C3 Visual Lab

Der Laminatoptik sind heute kaum Grenzen gesetzt, von der Honigkastanie über die Gebirgseiche bis hin zum Mahagoni-Look – alles ist möglich. Der große Vorteil: Um sich diese Holzanmutung ins Haus zu holen, müssen keine tropischen Edelhölzer gefällt werden. Die Preise pro Quadratmeter liegen in vielen Fällen unter zehn Euro, wobei bestimmte exotische Farbgebungen teurer sind als der Klassiker mit Eichen-Optik. 

Was auffällt: In Sachen Vielfalt und Qualität haben die Böden in den vergangenen Jahren zugelegt. Entsprechend ist das Preis-Leistungs-Verhältnis der Laminatdielen kaum zu schlagen – was dann zum Faktor wird, wenn kleine Kinder im Haus sind und teures Parkett mehr Stress als Freude erzeugt.

Die Nachteile? Laminat lässt sich nicht abschleifen, was die Lebensdauer reduziert. Und dann handelt es sich eben doch „nur“ um einen Holzersatz. So sehr sich der Bodenbelag auch dem Parkett annähern mag: Er ist kein Naturprodukt, kein Unikat, sondern eine Industriefertigung, bei der einige Kunden Wärme und Ausstrahlung des Echtholzes vermissen. 

Pflege des Laminats

Benötigen Parkettfußböden ein gewisses Maß an Pflege, ist das Laminat nicht sehr anspruchsvoll. Saugen, feucht (nicht zu nass!) wischen – fertig. Spezielle Laminatpflegemittel sind im Alltag kein Muss. Wichtig: Die Preise für die Laminatvarianten kommen nicht von ungefähr. Sehr günstige Produkte nutzen sich erkennbar schneller ab, indem sie sich verformen oder ihre Harzschicht verlieren.

Foto: iStock

Laminat und Elektrostatik

Um unerwünschte Entladungen zu verhindern, sind viele Laminatsysteme heute mit einer weiteren Schicht ausgestattet: Ein Antistatikpapier direkt unter der Oberfläche wirkt zuverlässig elektrischen Wirkungen entgegen, die ansonsten bei Laminatböden auftreten können.

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Vinylboden

Vinyl? Gehört auf den Plattenteller. Und wenn es als Bodenbelag infrage kommt, dann dort, wo es nicht auf Ästhetik, sondern auf Robustheit ankommt. In Krankenhäusern und Ämtern, Schulen oder Kitas. Keine Frage, im Wohnumfeld hatten Böden aus Polyvinylchlorid lange Zeit einen schweren Stand. PVC – das klang nach Plastik und entsprach so gar nicht dem Ideal einer natürlichen Umgebung. 

Doch in den vergangenen Jahren hat sich der Wind beim PVC Bodenbelag gedreht. Zu tun hat das mit zwei Entwicklungen. Zum einen haben die Hersteller erkannt, wie vielfältig sich hochwertige Vinylböden gestalten lassen. So gibt es Produkte mit authentischer Holzoptik, die dem Auge das Gefühl von Natürlichkeit geben. Und auch die Füße profitieren von diesem Belag: Vinylböden bieten Fußwärme, lassen sich angenehm und sehr leise belaufen.

Aufbau: 1) Beschichtung als Versiegelung, 2) Transparente Nutzschicht, besonders abriebfest, 3) Dekor- und Fotoschicht, die dem Boden Optik und Haptik gibt, 4) Trägerschicht, 5) Trägerplatte, 6) Trittschalldämmung; Illustration: C3 Visual Lab

Ein zweiter Erfolgsfaktor für Vinylböden ist die Ausrichtung vieler Hersteller auf Gesundheit, Ökologie und Nachhaltigkeit. Auf Basis der immer strengeren EU-Richtlinien setzen die meisten Anbieter nur noch zugelassene Weichmacher ein. Wer beim Kauf auf Nummer sicher gehen will, sollte sich im Handel unbedingt über die Zusammensetzung der Böden informieren. Liegt der neue Vinylboden, kann es sein, dass das PVC für eine gewisse Zeit nach Plastik riecht – wobei die Hersteller versichern, dass dieser Geruch bedenkenlos ist. 

Worauf die Anbieter auch hinweisen: Vinylböden sind recycelbar, müssen aber, wie andere Böden auch, im Wertstoffhof entsorgt werden. Während in öffentlichen Einrichtungen die Vinylböden von der Rolle kommen, haben sich bei der Nutzung im Wohnbereich Dielen- und Fliesenmodule etabliert, die auf den Boden geklebt oder mit Klicksystemen schwimmend verlegt werden. Die Fachbezeichnung für diese Module lautet „Luxury Vinyl Tiles“, kurz: LVT. Preislich liegen sie in bester Qualität bei rund 40 Euro pro Quadratmeter. Ähnlich wie beim Laminat sorgt eine Dekorschicht dafür, dass der Baustoff, der imitiert wird, optisch und haptisch täuschend echt wirkt – zum Beispiel Holz.

Vinyl ohne PVC?

So wie es kein Wasser ohne Wasserstoff geben kann, ist auch ein Vinylboden ohne PVC unlogisch. Dennoch gibt es Anbieter, die genau das anpreisen: „Vinylböden ohne PVC“. Gemeint sind hier Designböden, die aus umweltfreundlicheren Polymergemischen hergestellt werden – zum Beispiel ohne den Einsatz von Weichmachern und Chlor. Immer mehr Anbieter entdecken diesen Markt für sich, Zertifizierungen wie der „Blaue Engel“ geben Orientierung.

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Fliese

Den Boden- und Wandklassiker gibt es heute auch in vielen Holzoptiken. Die Bodenfliesen bestehen in der Regel aus Keramik oder Steingut. Besonders keramische Fliesen leiten Wärme sehr gut und lassen sich ohne Energieverlust mit Fußbodenheizungen kombinieren. In Sachen Optik sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt: Bei den meisten Fliesen sorgen moderne Glasurprozesse dafür, dass sie den Eindruck vermitteln, der Boden bestehe aus Echtholz. Es gibt aber auch neuartige Weiterentwicklungen, die mit Dekorschichten aus dem Digitaldruck arbeiten (siehe Querschnitt unten). Die Kosten für klassische Fliesenmodelle liegen bei rund 40 Euro pro Quadratmeter und sind vergleichbar mit denen von Vinylböden.

Aufbau: 1) Oberflächenversiegelung, 2) Dekorschicht, 3) Zwei Primerschichten, 4) Mineralisches Trägerboard mit wasserabweisendem Profilsystem, 5) Stabilisierende Lackschicht, Illustration: C3 Visual Lab

Der große Vorteil der Fliesenlösung: Die robusten und pflegeleichten Böden mit Holzoptik können auch in Räumen verlegt werden, in denen kein Parkett möglich ist, zum Beispiel im Badezimmer oder Außenbereich. Im Gegensatz zu den kleinen Kachelgrößen bei konventionellen Wand- oder Bodenbefliesungen orientieren sich die Hersteller bei den Holzoptik-Fliesen an den Maßen aus dem Laminatbereich. Sie sind also deutlich länger, was das Verlegen komplizierter macht: Die Fugen sollten möglichst schmal, der Untergrund perfekt vorbereitet sein – sonst drohen die langen Fliesen zu brechen. Deshalb sollten Sie sich für diese Arbeit einen Experten ins Haus holen. Schließlich legt man einen Fliesenboden im Grunde für die Ewigkeit.

Klimaanlage für die Füße

Keramikfliesen leiten Wärme sehr gut. Liegt der Fliesenboden also auf einer Fußbodenheizung, werden die Fliesen sehr schnell warm; es geht kaum Energie verloren. Im Sommer hingegen wirken die Fliesen deutlich kühler, was an heißen Tagen sehr angenehm sein kann.

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