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Wer sich unabhängig mit Strom versorgen will, liegt mit einer Windturbine richtig, erklärt Joachim Sroka vom Bundesverband Kleinwindanlagen im Interview. Bei der Anschaffung gibt es jedoch so einiges zu beachten.

Joachim Sroka ist Mitglied des Bundesverbandes Kleinwindanlagen, wo er die Arbeitsgemeinschaft Markt leitet. Zudem ist er Geschäftsführer des Unternehmens Sroka Stahl- und Anlagenbau in Brandenburg. Foto: Jonas Friedrich

Für wen lohnt sich eine Kleinwindanlage?

Das Thema ist für all diejenigen interessant, die sich möglichst unabhängig mit Strom versorgen wollen. Von Ausnahmen einmal abgesehen, ist eine Kleinwindanlage momentan nur in Kombination mit einer Photovoltaikanlage rentabel, da beide Systeme sich sehr gut ergänzen. Denn während zum Beispiel im Winterhalbjahr nur spärlich Solarstrom erzeugt wird, weht genau zu dieser Zeit besonders viel Wind.

Auch abends und nachts, wenn die Sonne nicht scheint, erzeugen Kleinwindanlagen natürlich weiterhin Strom. Also dann, wenn der Fernseher läuft, das Licht an ist oder das E-Auto in der Garage aufgeladen wird, sprich: wenn unser Stromverbrauch am höchsten ist. Auch aus finanziellen Gründen ist die Kombination mit Solarzellen ideal, denn die sind preiswerter in der Anschaffung.

Welche Voraussetzungen müssen mein Haus und mein Grundstück erfüllen?

In eng bebauten Siedlungen ist der Betrieb in der Regel nicht sinnvoll, da der Wind von Gebäuden und Bäumen abgelenkt wird, mitunter selbst wenn diese mehrere Hundert Meter entfernt stehen. Haben Sie jedoch in den Hauptwindrichtungen Nordwesten, Westen oder Südwesten freie Bahn, sind die Chancen gut, dass Sie gute Erträge erzielen können.

Damit sich die Anschaffung einer Anlage finanziell lohnt, sollte die Windgeschwindigkeit mindestens drei Meter pro Sekunde im Jahresdurchschnitt betragen. Im Vorteil sind hier ganz klar Küsten gebiete mit durchschnittlich bis zu neun Meter pro Sekunde.

Ob bei Ihnen in der Region der Wind stark genug weht, sollten Sie deswegen bei einem Spezialisten für Windanlagen in Erfahrung bringen.

Welche Arten von Kleinwindanlagen gibt es?

Es gibt eine recht große Auswahl an Modellen: Manche werden an einem Mast montiert, andere sind fürs Dach vorgesehen, die Rotoren sind vertikal oder horizontal ausgerichtet. In ihrer Leistung gehen die Modelle mitunter weit auseinander. 

Aktuell führt für mich kein Weg vorbei an einer horizontal ausgerichteten dreiflügligen Windanlage auf einem Mast. Anlagen mit vertikalen Rotoren sind zwar vom Konzept her interessant, aber entweder noch technisch unausgereift oder momentan einfach zu teuer, um rentabel zu sein.

Woran erkenne ich denn eine qualitativ hochwertige Kleinwindkraftanlage?

Kaufen Sie sie am besten nicht im Internet und aus fernen Ländern. Denn neben der Technik ist auch der Service wichtig: So eine Anlage muss gewartet, eventuell auch mal repariert werden. Das kann nur ein Experte, der sich damit auskennt. Aus Übersee oder dem letzten Winkel Europas kommt bestimmt niemand zu Ihnen gereist. Schauen Sie sich daher lokal oder zumindest regional nach Herstellern oder unabhängigen Service-Unternehmen um.

Die Größe einer Kleinwindanlage richtet sich nach dem kalkulierten Stromverbrauch. Foto: Sroka

Was muss ich bei der Planung einer solchen Windkraftanlage alles beachten?

Die Anlage muss so dimensioniert sein, dass sie genug Strom produziert, um die Bedürfnisse zu erfüllen. Die Spanne liegt je nach Haushalt und dessen Ausstattung zwischen 1.500 und 10.000 Kilowattstunden im Jahr.

Wer zum Beispiel eine Erdwärmeheizung hat, seinen Teich und sein Gewächshaus im Winter beheizt und sein Elektroauto in der Garage auflädt, hat in der Regel einen Stromverbrauch am oberen Ende dieser Skala.

Bei der Berechnung ist neben dem eigenen Verbrauch natürlich auch noch die Leistung der kombinierten Solaranlage wichtig. Anhand dieser Faktoren ermittelt man dann die Dimension der Kleinwindanlage, aber auch des Batteriespeichersystems. Auch hierbei ist die Zuhilfenahme eines Experten von Vorteil. 

Mit welchen Kosten muss ich bei der Anschaffung einer Kleinwindanlage rechnen?

Sie müssen schon mit dem Preis eines soliden Kleinwagens rechnen. Wir reden hier also von gut 20.000 bis 25.000 Euro. Im Preis enthalten sind die Montage der Anlage sowie die Errichtung des Mastes.

Hinzu kommen die Kosten der Photovoltaikanlage von rund 7.500 bis 10.000 Euro und für den Speicher von 6.000 bis 8.000 Euro. Zu empfehlen ist unbedingt auch eine Versicherung. Die Wartungskosten sollten sich hingegen über die günstige Stromerzeugung amortisieren. Übrigens hält eine qualitativ gute Anlage um die 20 Jahre durch – das sollte sie auch, um Ihr Geld wieder zu erwirtschaften.

Gibt es eine finanzielle Förderung für solche Klewinwindanlagen? Wie hoch ist die Einspeisevergütung?

Für den privaten Wohnbereich gibt es leider keine Förderung für solche Windanlagen. Eine Einspeisevergütung ist für Kleinwindanlagen nicht sinnvoll, da die Kosten für die Anlage höher sind, als Sie jemals von einem Netzbetreiber an Geld hereinbekommen würden. Besser die Anlage so dimensionieren, dass der produzierte Strom für Sie selbst reicht. Einen Überschuss fürs Einspeisen zu produzieren, ist einfach nicht rentabel. Mit der kombinierten Solaranlage hingegen kann es durchaus sinnvoll sein, Strom unabhängig von der Windturbine ins Netz einzuspeisen. Diese Trennung wird dann technisch gelöst.

Eine Kombination von Windkraft und Solarstrom ist aus finanziellen Gründen sinnvoll. Foto: Sroka

Welche Genehmigungen sind erforderlich?

In vielen Regionen Deutschlands sind Bauwerke nur bis zu einer Höhe von zehn Metern genehmigungsfrei. Eine Kleinwindanlage aber sollte eher in einer Höhe von 15 bis 25 Metern montiert sein, darunter ist der Wind nämlich stark verwirbelt aufgrund der Gebäude und Bäume in der Nachbarschaft. Für mehr als zehn Meter benötigen Sie eine Baugenehmigung: Die kostet Zeit und etwas Geld, aber danach sind Sie auf der rechtlich sicheren Seite. Weitere Genehmigungen brauchen Sie nicht.

Falls Sie einen guten Draht zu den Nachbarn haben, informieren Sie diese vorab ruhig über die Windanlage  und zerstreuen Sie Bedenken! Solche kleinen Systeme sind nicht zu vergleichen mit den Windrädern auf den Feldern. Die Windturbine, von der wir hier sprechen, hat einen Rotordurchmesser von nur rund vier Metern. Auch der Geräuschpegel ist gering. Das Zwitschern eines Vogels ist lauter.

Ist eine Kopplung mit Batteriespeichersystemen möglich?

Ja, aber die Systeme müssen zusammenarbeiten können und aufeinander abgestimmt sein. Wer sich autark selbst mit Strom versorgen oder für Notfälle wie den Ausfall des Stromnetzes gerüstet sein möchte, braucht ein Batteriespeichersystem. Wie groß dieses ausfallen sollte, hängt wiederum vom individuellen Verbrauch ab und davon, wie lange Sie Flauten oder Komplettausfälle überbrücken möchten.

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Wir haben Ihre Fragen rund um diese Form der privaten Energieerzeugung gesammelt und lassen unseren Windkraft-Experten Joachim Sroka darauf antworten. Schauen Sie doch gleich mal rein:
Was Sie schon immer über Kleinwindanlagen wissen wollten

 

Foto Header / oben: Sroka