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Mit historischen Baustoffen setzen Bauherren individuelle Akzente – gleichzeitig schonen sie Ressourcen und setzen auf handwerkliche Qualität. Händler im ganzen Land haben sich auf den Trend eingestellt.

Dicht an dicht lagert eine Tür neben der anderen. Auf den ersten Blick haben sie ihre besten Jahre hinter sich. Doch Alexander Prenzel weiß: Mit etwas handwerklichem Geschick erstrahlt bald jede einzelne wieder in neuem Glanz. Rund zehn Jahre ist es her, dass der Niedersachse mit seiner Frau Sabine die Firma Historische Baustoffe Prenzel gegründet hat. Die beiden bieten neben mehr als 600 alten Türen und Fenstern auch große Mengen an Dachziegeln und Mauersteinen an. Oft finden ihre Kunden wahre Schätze im Lager – von der gusseisernen Treppe über die frei stehende Badewanne und ein Steingutbecken bis hin zu Beschlägen, Leuchten und Mauerankern. 

Alle Stücke haben eines gemeinsam: Sie wurden vor 1940 hergestellt und waren schon einmal in Gebrauch. Nur dann trägt ein Objekt laut Unternehmerverband Historische Baustoffe diese Bezeichnung zu Recht. Gewonnen werden die Materialien aus alten Häusern, die vor dem Abbruch stehen. „Rund 80 Prozent einer alten Scheune lassen sich im Durchschnitt recyceln“, sagt Sabine Prenzel. Die Nachfrage nach gebrauchten Baustoffen boomt. Immer mehr Kunden ist es wichtig, Ressourcen und damit die Umwelt zu schonen.

Antike Baustoffe der Umwelt zu Liebe

Die Bilanz gibt ihnen recht: „Wer bei uns eine Palette mit 2.000 antiken Mauersteinen kauft, spart gegenüber der gleichen Anzahl neu produzierter Steine eine halbe Tonne CO2 ein“, sagt Andreas Persch, Geschäftsführer von Persch Erlesene Baustoffe. Bis zu 800.000 Steine – alle zwischen 1860 und 1890 produziert – hat der Schleswig-Holsteiner stets auf Lager. Alle von Hand ausgesucht, gereinigt und nach Farbe und Größe sortiert. „So kann sich jeder seine eigene Mischung an Steinen zusammenstellen“, sagt Persch.

Individualität statt Massenware: Ein weiteres Kaufargument für historische Baustoffe. „Jedes Objekt hat seine eigenen Gebrauchsspuren, seine eigene Patina – und erzählt seine eigene Geschichte. Das gefällt den Kunden“, erzählt Sabine Prenzel. Ihr haben es vor allem Bodenfliesen angetan. „Diese Farben, diese Motive, jedes Exemplar ist ein Unikat“, sagt die 51-Jährige.

Individualität statt Massenfertigung: Jedes Teil hat eine Geschichte. Foto: Daniel Kunzfeld

Historische Bauelemente für den Neubau

Recycelte Baustoffe finden nicht nur in sanierten Gebäuden einen neuen Platz. Auch Besitzer moderner Immobilien versuchen immer häufiger, mit alten Klinkersteinen, Dielenböden und Türen eine einzigartige Atmosphäre zu schaffen. „Etwa ein Drittel meiner Privatkunden bauen neu“, berichtet Persch.

Auch die handwerkliche Qualität spricht für historische Baustoffe. Das wird vor allem bei Türen deutlich: „Die Türen sind massiv und alle Materialien gut verarbeitet – so etwas können Sie heute gar nicht mehr bezahlen“, sagt Marc Pollack von Antikwerk aus Breitenthal. 

Da lohnt es, ein altes Exemplar mit modernen Dämmmaterialien und neuester Sicherheitstechnik nachzurüsten. „Alles in allem schlägt das mit rund 4.000 Euro zu Buche – so viel zahlt man für eine hochwertige neue Haustür auch“, so Norbert Dieter, Händler historischer Baustoffe aus Windesheim.

Mehr Infos zum Baustoffhandel von Sabine und Alexander Prenzel unter historischebaustoffeprenzel.de

Geschnitzte Löwenköpfe als Türknauf
Auch geschnitzte Löwenköpfe als Türknauf finden sich im Baustoffhandel von Sabine und Alexander Prenzel. Foto: Daniel Kunzfeld

Spezialisten für historische Baustoffe

1) Antike Mauersteine aus dem 19. Jahrhundert, die an der friesischen Küste geborgen werden, und Delfter Wandfliesen aus der Zeit zwischen 1650 und 1800: Das ist die Spezialität von Persch Erlesene Baustoffe aus Risum-Lindholm. Der Betrieb führt auch Kalkstein, der aus Deutschland, Frankreich und Italien stammt. Die Firma bietet ein Komplettpaket mit Bauplanung und -betreuung an.

www.persch.com

 

2) Zwischen 10.000 und 15.000 Teile lagern auf dem Hof von Brita Marx Historie. Das Unternehmen aus Luckenwalde verkauft vor allem Ziegelsteine, Fenster, Türen, Beschläge und Schlösser. „Viele meiner Privatkunden suchen bei uns nach etwas Dekorativem für ihr Haus oder ihren Garten“, sagt Geschäftsführerin Brita Marx, die auch die Bauteilbörse Berlin-Brandenburg ins Leben gerufen hat.

www.brita-marx.de

 

3) Für eine große Auswahl an historischen Zimmer- und Haustüren ist Norbert Dieter bekannt – mehr als 1.400 Stück lagert er. Daneben setzt der Windesheimer auf schmiedeeiserne Tore und Zäune sowie auf passendes Zubehör, etwa Beschläge und Schrauben. „Innerhalb von sechs Wochen kann eine historische Haustür so aufgearbeitet werden, dass sie den modernen Dämmund Sicherheitsvorstellungen entspricht“, verspricht Dieter.

www.dieter-historischetueren.de

 

4) Seit mehr als 20 Jahren verkauft Martin Häberle historische Baustoffe – von Türen, Pflastersteine über Altholz bis hin zu gusseisernen Fenstern und geschmiedeten Zäunen. Schwerpunkt seines Handels ist das Leuchtensortiment: Mehr als 1.200 Wand- und Deckenleuchten lagern in Söhnstetten.

www.historische-baustoffe-ostalb.de

 

5) Historische Türen, Fenster und Dielenböden sind die Spezialität von Marc Pollack. In seinem Unternehmen Antikwerk sorgen 15 Mitarbeiter in der Werkstatt dafür, dass die historischen Stücke schnell wieder in neuem Glanz erstrahlen. Die Breitenthaler übernehmen auch den Abbruch an alter sowie den Einbau an neuer Stelle.

www.antikwerk.com

 

6) Weitere Händler finden Sie beim Unternehmerverband Historische Baustoffe e.V.

www.historische-baustoffe.de