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Ob Ruheort, Grillplatz oder Kaffeeklatsch-Paradies: Schrebergärten liegen im Trend. Dass sie nicht dem Klischee von Gartenzwergen und Waschbeton entsprechen müssen, beweist Thomas Tunger-Schnur. Er zeigt, was alles auf kleiner Fläche möglich ist – und gibt Gestaltungstipps.

Gerne sitzt Thomas Tunger-Schnur in seinem Schrebergarten am Teich. Zwischen Seerosen quaken die Frösche und Libellen surren in der Luft. In den warmen Monaten hängen Tillandsien im Baum am Wasser, sie mögen es feucht und sonnig. Beim Anblick der Pflanzen versteht man, warum sie auch Greisenbart genannt werden. „Bei Sonnenuntergang sieht das aus wie am Mississippi“, freut sich der 56-Jährige.

Idyllischer Platz am Gartenteich. (Foto: Bernhard Huber)

Plötzlich Besitzer eines Blumenladens

Zum Entspannen kommt Tunger-Schnur nicht oft. Auch am Wochenende arbeitet er: „Ich erledige hier die Wochenplanung für meine Gärtner.“ Tunger-Schnur ist Ingenieur für Landschaftsplanung und führt in Berlin ein erfolgreiches Unternehmen für Blumen- und Gartenkunst. Eigentlich gehörte seine Leidenschaft der Gartendenkmalpflege, das war sein Schwerpunkt im Studium. Der Zufall führte ihn auf einen anderen Weg: „Ich saß damals oft im Blumenladen meines Freundes und schrieb an meiner Diplomarbeit. Das war ein angesehenes Geschäft, aber es stand vor dem Verkauf“, erzählt Tunger-Schnur. Zukunft ungewiss – aber dann besorgte er sich Kapital und investierte. Und war plötzlich Besitzer eines Blumenladens.

Gartenkunst im Ausland

Heute ist der Ingenieur gemeinsam mit seinem Ehemann verantwortlich für 35 Mitarbeiter. Die beiden haben von Anfang an größer gedacht: Neben Floristik und der Planung von Grünraum bieten sie Seminare und Fortbildungen an. „Ich habe schon als Student Führungen durch historische Gärten geleitet, um Menschen zu amüsieren und zu belehren“, erzählt er. Dafür begibt er sich mittlerweile einmal im Jahr mit einer Reisegruppe ins Ausland. Gerne nach Irland oder England. „Die Iren sind für mich am innovativsten in der Gartenkunst. Aber auch, was die Engländer erschaffen, grenzt manchmal an ein Wunder. Da ist jeder vollkommen begeistert, auch wer nichts mit Gartengestaltung am Hut hat.“ Inzwischen hat sich ein treuer Fanklub für die Reisen gebildet und dank guter Kontakte kommt Tunger- Schnur mit ihm in Gärten, die man normalerweise nicht so einfach besuchen kann.

Arbeiten im Grünen. (Foto: Bernhard Huber)

Perfekt bis ins Detail

Tunger-Schnurs eigener Garten bildet einen großen Kontrast zu seinem Arbeitsalltag: Während er beruflich Grünflächen für sehr große Grundstücke plant, ist sein Garten „bloß“ 380 Quadratmeter groß. Umso erstaunlicher, was dort alles Platz findet Neben dem Seerosenteich gibt es Rasen und Blumenbeete und natürlich steht auch eine Laube samt Terrasse auf dem Grund. Ebenso gedeihen bei Tunger-Schnur Obst und Gemüse, er baut Feigen, Himbeeren, Bohnen und Tomaten an. „Es gibt immer so viel zu ernten, dass wir es kaum schaffen, alles zu essen und zu verarbeiten“, sagt der Gartenprofi. Was es bei ihm dagegen nicht gibt, ist Unkraut. Bei der Pflege seines Gartens legt er die gleichen Maßstäbe an wie bei seiner Arbeit: Perfekt bis ins Detail, weniger geht nicht. So hat Tunger-Schnur den Schrebergarten gemeinsam mit seinem Ehemann in ein bezauberndes Kleinod verwandelt. Wie das gelingt?

Eigene Ernte. (Foto Bernhard Huber)

„Zunächst einmal macht man eine Bestandsaufnahme“, rät Tunger-Schnur. „Was soll bleiben, was soll verändert werden?“ Dann legt man die Funktionen fest, die der Garten erfüllen soll. Spielwiese, Nutzgarten, Wellness-Oase oder alles zusammen? Am Beispiel des Seerosenteiches zeigt sich, dass auch der Standort bedacht sein will: Der Platz ist so gewählt, dass die Sonnenstrahlen bis spät am Abend dort hinfallen. Das ist toll, wenn man an lauen Sommerabenden gerne mal länger draußen sitzt.

Ein harmonisches Ganzes

Was dem Gartenprofi auch gelungen ist: Die verschiedenen Nutzungen in seinem Garten ergeben ein Ganzes. „Man muss eine Formsprache finden, die dafür sorgt, dass sich alles harmonisch zusammenfügt“, erklärt er. So gibt es beispielsweise gerade Wege und das Gemüsebeet ist in eckigen Formen angelegt. Unter dem prachtvollen Apfelbaum hingegen gedeihen Hortensien, die kreisförmig gepflanzt wurden. Das Rund des Baumes nehmen die umliegenden, mit Naturstein eingefassten Beete in Konkaven auf.

Unter dem alten Apfelbaum gedeihen Hortensien. (Foto: Bernhard Huber)

Einfassungen mit alten Buchsbaumbeständen geben dem Garten eine übergeordnete Struktur, bilden einen grünen Rahmen. Auch hier wieder die Formsprache: Sie sind sowohl gerade als auch kugelförmig beschnitten. „Wobei ich Buchsbäume heute gar nicht mehr pflanzen würde“, sagt Tunger-Schnur. Buchsbaumpilz und der Buchsbaumzünsler, ein Schmetterling, dessen Raupen Hecken kahlfressen, haben sich in den letzten Jahren stark verbreitet. „Die kostbaren Buchsbäume liegen mir aber sehr am Herzen. Zum Glück konnten wir bisher die Schädlinge erfolgreich bekämpfen.“ Auch ein kleiner Garten kann eben großen Aufwand bedeuten.

Nach Farben sortiert

Mehr Spaß als Schädlingsbekämpfung macht es Tunger-Schnur, Pflanzen nach Farben zu ordnen. Auch das ist ein Gestaltungsprinzip. Die einzelnen Blumenbeete erstrahlen in Rot, Purpurblau, Cremegelb und Weiß. Bei den blühenden Pflanzen sorgen mehrjährige Stauden und Gehölze für eine Grundstruktur. Sie brauchen nicht einmal sehr frostbeständig zu sein. „Die jüngsten Winter in Berlin waren so mild, dass in unserem Garten auch weniger widerstandsfähige Stauden gedeihen.“ Dazu gesellen sich saisonale Blüher. „Möchte man sich das ganze Jahr an Blüten erfreuen, sollte man zwischendurch nachpflanzen“, empfiehlt unger-Schnur. Um in den Sommermonaten die Farbenpracht genießen zu können, muss er sehr früh aufstehen. 

Samstags klingelt der Wecker morgens um 2.30 Uhr, dann geht es erst zum Pflanzeng oßmarkt und anschließend ins Geschäft. Im besten Fall kann Tunger-Schnur dann zur Mittagszeit im Garten sein. Hier, am Rande Berlins, findet der Gartenprofi seine Ruhe und einen Ausgleich zur Arbeit. Mit singender Nachtigall und sogar einem Fuchs, der bisweilen vorbeischaut. „Natur pur“, stellt Tunger- Schnur zufrieden fest.

Die ganze Gartensaison über blüht es. (Foto:Bernhard Huber)

So gestalten Sie einen kleinen Garten

Tipp 1: Bestand aufnehmen 

Bevor es darangeht, einen Schrebergarten zu gestalten, muss eine Bestandsaufnahme her. Von Beeteinfassungen, Pflanzen, Gartenlaube und Mobiliar bis zu den Wegbefestigungen: Was kann weg? Was bleibt? Was wird aufgearbeitet oder renoviert?

Tipp 2: Nutzung planen

Ein Garten kann unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen. Vorschrift im Schrebergarten: Der Anbau von Obst und Gemüse muss diesen prägen. Aber natürlich sind Ruhezone, Blumenparadies oder Spielwiese ebenso möglich. Legen Sie die Funktionen fest und überlegen Sie sich einen passenden Standort.

Tipp 3: Formen festlegen

Geometrische Grundformen bestimmen die Anmutung: von Rechtecken, geraden oder fließenden Linien bis zu Kreisen. Eine Wiederholung der Formen verbindet die Elemente des Gartens.

Tipp 4: Farben ordnen

Für Harmonie im Garten ist es hilfreich, den verschiedenen Blumenbeeten Farbwelten zuzuordnen. Mehrjährige Pflanzen geben eine Grundstruktur vor, saisonale Blüher ergänzen sie.

Tipp 5: Pflegeplan erstellen

Damit das kleine Paradies dauerhaft Freude bereitet, lohnt es sich, ein Gartentagebuch anzulegen, das die verschiedenen Pflegemaßnahmen beinhaltet. So behält man den Überblick und führt die Arbeiten zum richtigen Zeitpunkt durch.