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Ob Maus, Marder oder Insekten: Kaum jemand teilt sein Haus nicht mit tierischen Mitbewohnern. Manche sind klein und schädlich, andere groß und beinahe niedlich, aber alle haben sie eines gemeinsam: Sie lassen sich nur schwer wieder vom Auszug überzeugen.

„Trautes Heim, Glück allein“, heißt es im Volksmund. Doch wer sich den Traum vom Eigenheim erfüllt hat, weiß: So ganz unter sich ist man auch im eigenen Wohnhaus nicht. So mancher tierische Gast macht es sich ebenfalls gern in der menschlichen Behausung gemütlich.

Artenreichtum in den Zimmern

Eine Studie der North Carolina State University hat herausgefunden, dass kaum ein Wohnhaus frei von Ungeziefer ist. Die Wissenschaftler haben 50 frei stehende Häuser mit insgesamt 554 Zimmern durchstöbert. Das Ergebnis: In lediglich fünf Zimmern fanden sie keine Krabbeltiere. Ganz im Gegenteil! Die Studie förderte einen ungeahnten Artenreichtum zutage: Fast 600 verschiedene Insekten, Spinnen, Milben und andere Tierchen machten die Forscher ausfindig Im Durchschnitt waren in jedem Haushalt etwa 100 verschiedene Arten von Krabbeltieren unterwegs. Aber keine Sorge: Die wenigsten sind gefährlich.

Vorratsschädlinge, Hygieneschädlinge und Materialschädlinge

Beim Ungeziefer unterscheidet man verschiedene Gruppen: Vorratsschädlinge wie Lebensmittelmotten oder Schaben befallen vor allem Essensvorräte. Sie sind eher lästig als gefährlich. Man sollte sie jedoch schnell bekämpfen, weil sie Krankheiten übertragen können.

Als Krankheitsüberträger gelten vor allem Hygieneschädlinge wie Flöhe, die nicht nur bei Hunden und Katzen schmerzhafte Stiche hinterlassen können. Andere Hygieneschädlinge wie Milben können Allergien auslösen, zum Beispiel die bekannte Hausstaubmilbenallergie.

Von Materialschädlingen geht dagegen keine Gefahr für den Menschen aus. Allerdings kann ein großer finanzieller Schaden entstehen, wenn sich Holzwürmer durch Dielen und antike Schränke fressen oder sich Teppichkäfer am teuren Perserteppich laben.

Andere Gliederfüßer sind sogar hilfreich: Silberfischchen fressen in warmen und feuchten Badezimmern unter anderem den Schimmel auf. Spinnen fangen nervige Mücken. Sie sind also eher Nützlinge als Schädlinge, werden von Menschen aber oft als störend empfunden. 

Illustration: C3 Visual Lab

1) Tauben auf dem Dach sind keine Bedrohung, aber durchaus belastend. Sie sind nicht nur laut, ihr Kot kann wegen des Salpetergehaltes selbst widerstandsfähige Baumaterialien wie Beton und Stahl angreifen. 

2) Hornissen sind besser als ihr Ruf. Sie sind nicht aggressiver als andere Wespenarten. Ihre Stiche sind schmerzhaft, aber ungefährlich. Statt menschlicher Nahrung bevorzugen sie Insekten.

3) Marder sind vor allem für Autofahrer ein Graus: Mit großer Vorliebe verstecken sie sich im Motorraum und zerbeißen Zündkabel, Kühlwasserschläuche oder Stromleitungen.

4) Ameisen sind in der freien Natur nützliche Tiere. Gelangen sie ins Haus, machen sie sich aber über zucker- und eiweißhaltige Vorräte her. Zudem können sie Keime übertragen. 

5) Waschbären stammen eigentlich aus Nordamerika, verbreiten sich aber auch in Europa immer schneller. Sie haben keine natürlichen Feinde, sind Allesfresser und können sehr gut klettern.

6) Mäuse im Haus machen sich über Vorräte her und hinterlassen ihren Kot. In einem Jahr kann ein Mäusepaar bis zu 2.000 Nachkommen produzieren.

7) Silberfische lieben feuchte und warme Badezimmer und verstecken sich in Ritzen und unter Fußbodenleisten. Sie ernähren sich von Hautschuppen und Haaren, fressen aber auch Schimmelpilze auf.

Es geht auch größer: ungebetene Gäste im Haus

Doch längst nicht nur kleine Krabbeltiere suchen unsere Nähe, die ungebetenen Mitbewohner können viel größer sein. So haben Marder, Waschbär, Siebenschläfer, Fuchs und Co. Dachboden, Keller und Garten als Lebensraum entdeckt. Parkanlagen, Gärten und Friedhöfe in der Umgebung bieten anders als großflächige Felder mit Monokulturen ein viel interessanteres Nahrungsangebot – menschliche Abfälle sowieso. 

Mäuse brauchen nur kleine Spalten, um ins Haus zu gelangen. Hier bleiben sie oft lange unentdeckt. Finden sie ein entsprechendes Nahrungsangebot, vermehren sie sich rasend schnell. So kommt ein einziges Mäusepaar inklusive Kindeskindern auf rund 2.000 Nachkommen in nur einem Jahr. 

Marder, Waschbären und Siebenschläfer gelten als geschickte Kletterer und nutzen gern Dachböden als Schlafplatz. Dabei richten sie sich häufi in der Isolierung des Daches ein. Dadurch wird die Dämmung beeinträchtigt und Feuchtigkeit kann eintreten. Bleiben die Tiere für längere Zeit unbemerkt, breitet sich der Geruch von Fäkalien und Aas im ganzen Haus aus. Das wiederum lockt zusätzlich Fliegen und andere Schädlinge an. 

Einsatz für den Kammerjäger

Wer einen solchen Untermieter auf dem Dachboden oder im Keller vermutet, kann nur den Kammerjäger rufen. Zumal Siebenschläfer, anders als andere Schädlinge, unter Naturschutz stehen und nicht mit Gift oder Fallen zur Strecke gebracht werden dürfen. Auch wenn Waschbären und Co. noch so possierlich sein mögen – für Hausbesitzer sind sie echte Plagen, die richtig Geld kosten können. Der beste Weg, sie loszuwerden, ist, es ihnen von Anfang an so ungemütlich wie möglich zu machen.

Schutz gegen Eindringlinge

1) Mülltonnen sollten Sie fest verschließen, zum Beispiel mit einem Tonnenschloss. Oder Sie stellen diese in eine geschlossene Tonnenbox.

2) Nahrungsreste dürfen niemals auf den Kompost, sondern nur in gut verschlossenen Mülltonnen entsorgt werden.

3) Katzenfutter und andere Tiernahrung lagern Sie am besten in gut verschlossenen Räumen.

4) Keine Fassadenbegrünung und Rankpflanzen an der Hauswand: Die können Tieren als Kletterhilfen dienen.

5) Regenrinnen und Fallrohre sollten mit Blechmanschetten gesichert werden, um Waschbären und Mardern das Klettern zu erschweren. Wem das nicht reicht: Es gibt auch Elektrosicherungen gegen die tierischen Eindringlinge.

Foto Header / oben: iStock