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In der freien Natur sorgen Pflanzensamen in den Spalten von Mauern oder Felsen ganz allein dafür, dass vertikale Gärten entstehen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie auch Ihr eigenes Grundstück grüner gestalten können.

Die Vorzüge von vertikalen Grünflächen entdecken inzwischen viele Stadtbewohner im Rahmen des „Urban Gardening“. Die Idee lässt sich aber ebenso auf das eigene Grundstück übertragen: Auf wenig Raum entsteht ein Ort der Ruhe, an dem Gemüsesorten, Kräuter und Zierpflanzen wachsen. Beim Anblick der grünen Fläche schüttet das Gehirn sogar spezielle Botenstoffe aus, die eine beruhigende Wirkung auf Körper und Geist haben. 

Vertikaler Garten an einer Fassade: Idee eines Botanikers

Der Trend des vertikalen Gärtnerns kam bereits in den 1980er-Jahren auf, als der französische Botaniker Patrick Blanc begrünte Wände auf einer Gartenausstellung präsentierte. Blanc ließ sich damals von wild wachsenden Urwäldern inspirieren – und seine Kreationen zierten daraufhin Fassaden in ganz Europa. Allerdings ging es ihm nicht nur allein um die Ästhetik. Auch der ökologische Nutzen war ihm wichtig: Blanc wollte sogenannte Biofilter in die Großstädte bringen, um die Luft zu reinigen. 

Bessere Luftqualität mit einem vertikalen Garten

Tatsächlich wirken sich vertikale Grünflächen positiv auf die Luftqualität aus. Forscher der Berliner Humboldt-Universität haben herausgefunden, dass Fassadenbegrünung einen nennenswerten Beitrag zur Luftreinhaltung leistet. Gräser und Moose binden jährlich bis zu 8,8 Gramm Feinstaub und 300 Gramm Kohlendioxid pro Quadratmeter, Letzteres wandelt sich in Sauerstoff um. 

Ein weiterer Pluspunkt: Mit jedem begrünten Balkon vergrößert sich der Lebensraum für Insekten und Vögel. Verschönern Sie jetzt Ihr Zuhause und lassen Sie sich von unseren Gestaltungsideen inspirieren – auch für den kleinen Geldbeutel.

Welches Modell passt zu meinem Zuhause?

Ob zum Anbauen von Salat oder als stilvolles Designobjekt: Diese Tragekonstruktionen sind die Basis für einen vertikalen Garten.

Frei stehende Konstruktionen einsetzen: Falls es weder an den Wänden noch auf dem Fußboden viel Platz gibt, sind frei stehende Konstruktionen mit einzelnen Pflanzgefäßen optimal geeignet Es gibt platzsparende Stecksysteme aus Kunststoff, die sich beliebig in die Höhe stapeln lassen. Ein großer Vorteil von beweglichen Konstruktionen besteht darin, dass sie sich zur Sonne drehen lassen.

Foto: iStock

Hauswände großflächig verkleiden: Im Fachhandel gibt es vorgefertigte Pflanzwände, die aus mehreren Elementen bestehen: einem Stahlgerüst, einer Dämmschicht und einer Substratschicht. Diese Komplettlösung können Sie an der Hauswand fixieren oder mit Füßen aufstellen. Bei höherpreisigen Modellen ist sogar ein Bewässerungsschlauch integriert, damit das Gießwasser aus dem Hahn direkt in die Substratschicht fließt Mit einem smarten Bewässerungssystem oder einer Zeitschaltuhr am Schlauch müssen Sie sich nicht ums Gießen kümmern.

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Einzelne Wandbereiche verschönern: Wenn Sie einzelne Wandbereiche auf Ihrer Terrasse oder Ihrem Balkon verschönern möchten, sind „lebende Wandbilder“ eine gute Wahl. Dabei handelt es sich um flache Pflanzkästen aus Kunststoff oder Holz, die mit Dübeln an der Wand befestigt sind. Bei einer größeren Wandfläche könne Sie auch mehrere Kästen in verschiedenen Größen kombinieren. Wichtig: Die Wände müssen die Traglast aushalten. Eine leichtere Alternative sind hängende Pflanztaschen.

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Natursteinmauer bauen und begrünen: Befindet sich neben Ihrer Terrasse eine brachliegende Fläche? Schichten Sie große Bruchsteine aufeinander und bauen Sie eine Natursteinmauer! Belassen Sie zwischen den Steinen einige Furchen und Löcher, um darin mit nährstoffreicher Erde kleine Gewächse zu pflanzen. Natursteinmauern dienen nicht nur als Sichtschutz, sondern sind auch eine schöne Einfassung für Hochbeete.

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Welche Faktoren muss ich bei der Planung beachten?

Wurzelwerk Für vertikale Gärten eignen sich ausschließlich Pflanzen, die kein tiefes Wurzelwerk ausbilden. Möchten Sie einen Garten mit Obst und Gemüse anlegen, sollten Sie zu flachwurzelnden Sorte wie Erdbeeren, Radieschen oder Salat greifen. Stark zehrende Sorten wie Kartoffeln, Zucchini oder Kohl haben in flachen änden zu wenig Platz und finden kein Nährstoffe.

Sonneneinstrahlung Auf sonnigen Balkonen gedeihen Stiefmütterchen, Frauenmantel oder Goldtaler ohne Probleme. Für schattige Ecken eignen sich Moose und Farne, etwa Schmuckfarn oder Rotschleierfarn. Bei Kräutern kommt es auf die Sorte an: Lavendel und Thymian haben es gern sonnig, während Schnittlauch, Dill und Petersilie auch im Schatten wachsen. 

Bewässerung Bei flachen Konstruktionen können die Wurzeln kaum Wasser speichern, daher ist eine tägliche Bewässerung nötig. Diese Arbeit können automatische Bewässerungssysteme erledigen. Wer sich händisch darum kümmert, sollte sich für robuste Sukkulenten oder Ziergräser entscheiden, wie zum Beispiel Blauschwingel. Bei höherliegenden Gewächsen hilft ein Gießstab. Für Pflanzwände mi integrierten Bewässerungssystemen sind empfindlichere Gewächse geeignet.

Rankeigenschaften Bei der Planung sind auch die Rankeigenschaften ein wichtiger Faktor. Bleibt die Pflanze an Ort und Stelle oder breitet sie sich nach dem Einsetzen aus? Rankende Gewächse wie Efeu können schon nach kurzer Zeit darunterliegende Sorten verdecken. Flach wachsende Sorten eignen sich für Arrangements im Bilderrahmen, zum Beispiel Kugelmoos und Flachmoos.

Winterhärte Wer seinen vertikalen Garten vor Wintereinbruch nicht aufgeben möchte, sollte diesen mit langlebigen, winterharten Sorten bepflanzen, zum Beispiel mit immergrünen Pflanzen wie Sternmoos oder Salbei. Es gibt auch viele Ziergräser, die das ganze Jahr pflegeleicht sind. Bei besonders kalten Temperaturen lohnt es sich, mehrere Schichten Gartenvlies über die Pflanze zu legen.

Foto. Shutterstock

So bauen Sie einen vertikalen Garten selbst

Die Komplettlösung aus dem Gartencenter ist Ihnen zu hochpreisig? Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit einer Holzpalette und ein wenig Handwerksgeschick Ihren vertikalen Garten selbst bauen und befüllen.

 

Foto Header / oben: Shutterstock

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